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„Polnische Ostern“ im Kino

Polnische Ostern

Die Feldstecher aufs Wasser gerichtet, warten Opa und Enkelin darauf, dass die Fähre pünktlich wie immer vorbeikommt. Das Ritual mögen die beiden, es ist die Zeiteinteilung einer geregelten Welt, ein Schutzwall gegen das Chaos. Die Enkelin lebt seit dem Tod der Mutter beim Opa, einem einsamen Witwer. Doch dann taucht Tadeusz (Adrian Topol) auf. Er ist der Vater der kleinen Mathilda (Paraschiva Dragus), die in seiner polnischen Familie aufwachsen soll. Das ist zu viel für Grabosch (Henry Hübchen), der alles in Bewegung setzt, um seine Enkelin bei sich zu behalten.
In „Polnische Ostern“ prallen keine Welten aufeinander, vielmehr geht es um die kleinen Verwerfungen und ihre große Wirkung. Am Ende ist der einsame Witwer Grabosch ein anderer. Schade, dass Regisseur Jakob Ziemnicki kaum sinnige Bilder für diesen Entwicklungsprozess einfallen. Er verlässt sich bei seiner Inszenierung auf seine ausnahmslos hervorragenden Schauspieler, zu denen neben Hübchen und Topol auch Grazyna Szapo­lowska („Ein kurzer Film über die Liebe“ von Krzysztof Kieslowski, 1988) gehört.

Text: Nico Schröder

Foto: Georges Pauly/ZDF

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Polnische Ostern“ im Kino in Berlin

Polnische Ostern, Deutschland 2010; Regie: Jakob Ziemnicki; Darsteller: Henry Hübchen (Werner Grabosch), Grazyna Szapolowska (Irena), Parashiva Dragus (Mathilda); 93 Minuten; FSK 6

Kinostart: 12. Mai

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