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„Ponyo – Das große Abenteuer am Meer“ im Kino

Die Filme von Hayao Miyazaki haben sich – mit Ausnahme von „Porco Rosso“ – schon immer auch an Kinder und Jugendliche gerichtet, selbst wenn sie in ihrer erheblichen Komplexität nur wenig mit dem gemein haben, was hierzulande in sträflicher Unterschätzung des Intellekts unserer Sprösslinge als Kinderfilm gilt. Mit „Ponyo – Das große Abenteuer am Meer“ zielt der große japanische Animationsfilmer jetzt allerdings erstmals auch auf ein Publikum im Vorschulalter ab.
Entsprechend einfacher gestrickt entfaltet sich zumindest die Hauptgeschichte des Films um den fünfjährigen Sosuke, der den Kindergarten neben dem Altersheim besucht, in dem seine Mutter als Pflegekraft arbeitet, und Ponyo, das eigentlich Brunhilde heißende Goldfischmädchen, das sich mit purer Willenskraft zu einem gleichaltrigen menschlichen Mädchen entwickeln wird. Ponyos naiver und enorm enthusiastischer Blick auf eine Alltagswelt, die sie noch nicht kennt, spiegelt dabei die Erfahrungswelten von Babys und Kleinkindern wider.
In diesem Rahmen spinnt Miyazaki sein Dauerthema von der Zerstörung der Natur – und der Gefahr, dass diese zurückschlägt – weiter, entdeckt mit den greisen Damen aus dem Pflegeheim die Probleme und Hoffnungen des Alters, und legt die Rettung der Welt einmal mehr in starke weibliche Hände. Dazu entwirft er gewohnt fantasievoll ganz wunderbare Figuren wie Ponyos Mutter, eine gewaltige, sehr gelassene Meeresgöttin, und ihr irdisches Pendant, Sosukes Mutter Lisa, eine starrköpfige junge Frau, ebenso mutig wie zupackend. Die Sequenz, in der Lisa einen Wutausbruch bekommt, weil ihr Kapitäns-Gatte die Nacht einmal mehr auf See verbringen wird, und Sosuke als ständiger Mittler in einer per Morselichtzeichen geführten Unterhaltung seiner Eltern fungiert, gehört in ihrem tiefen Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen zu den schönsten des Films. Gerade diese genaue Beobachtungsgabe macht die Filme des heute 69-jährigen Regisseurs so einzigartig.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ponyo – Das große Abenteuer am Meer“ im Kino in Berlin

PONYO – DAS GROSSE ABENTEUER AM MEER (Gake no ue no Ponyo), Japan 2008; Regie: Hayao Miyazaki; Deutsche Stimmen:
Alina Freund (Ponyo), Nick Romeo Reimann (Sosuke), Anja Kling (Lisa); 101 Minuten

Kinostart: 16. September

Lesen Sie hier: Ein Interview mit „Ponyo“-Regisseur Hayao Miyzaki

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