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Porträt eines schwulen Filmemachers: „Derek“

DerekEin bislang unveröffentlichtes Interview aus dem Jahr 1991 zeigt einen humorvoll eloquenten, politisch engagierten Selbstdarsteller und charismatischen Erzähler. Regisseur Isaac Julien montiert dazu relativ chronologisch Bildmaterial, neben raren Archivalien wie Super-8-Filmen aus Jarmans Kindheit oder ersten Filmexperimenten in den 70er Jahren stehen selbstverständlich Ausschnitte aus Musikclips und Spielfilmen, vom Skandalerfolg des Sandalen-Softpornos „Sebastiane“ bis zum monochromen Testament „Blue“.
Als eher überflüssige Ablenkung zwischen den autobiogra­fischen Passagen wandelt die Schauspielerin Tilda Swinton durchs heutige London und Jarmans Kunstgarten in Dungeness und deklamiert ihren überaus schwülstigen Text „Letter to an Angel“, ein poetisch verklärendes Loblied auf den toten Freund und kritischer Rundumschlag gegen das aktuelle Filmbusiness, in dem sie Jarmans „Hauch von Schul­theater“ vermisst. Ein wenig mehr Distanz wäre 15 Jahre nach Jarmans Tod kaum schädlich.

Text: Kai Schmidt

tip-Bewertung: Annehmbar

Derek, Großbritannien 2008; Regie: Isaac Julien; Farbe, 76 Minuten

Kinostart: 22. Januar 2009

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