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Im Kino: „Mein halbes Leben“

Das Studium hat er abgebrochen, er ist Single, das Kreuzberger WG-Zimmer ist kein Schmuckstück, auf dem Bankkonto sind keine nennenswerten Rücklagen. Die Krise, die den Dokumentarfilmer pünktlich zum 30. Geburtstag ereilt, ist profund, aber Doringer begegnet ihr frontal. Mit der Kamera macht er sich von Berlin auf den Weg in die österreichische Heimat, interviewt seine besorgten Eltern, lässt sich Tipps von einem Anlageberater geben, besucht seine Freunde, die den Dreh, ein erfolgreiches Leben zu führen, vermeintlich besser raus haben als er selbst.
Die einfachen Fragen, die Doringer sich dabei stellt, teilt er mit der Generation der gegenwärtigen Thirtysomethings: Sind die heute 30-Jährigen eine Generation der Egozentriker? Ist Selbstverwirklichung eine Illusion?
Mein halbes Leben“ kommt zu einer bemerkenswert tiefgehenden Bestandsaufnahme, die dem Lebensgefühl von Doringers Altersgenossen viel näher kommt als die üblichen „Generation Golf“-Romane. Das liegt vor allem an der Schonungslosigkeit, mit der Doringer sich selbst und sein engstes Umfeld offenbart, oft genug an der Grenze zur schmerzhaften Selbstentblößung. Doch gerade diese Genauigkeit führt auch zu Momenten wunderbarer Komik.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Mein halbes Leben“ im Kino in Berlin

Mein halbes Leben, Österreich/Deutschland 2008; Regie: Marko Doringer; Darsteller: Marko Doringer, Martin Obermayr, Katharina Harrer; Farbe, 93 Minuten

Kinostart: 8. Oktober

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