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Premiere von „Notorious“ auf der Berlinale

NotoriousUnter dem Kinderbett packt er das Koks für seine Kunden in Tüten. Falls Mama plötzlich ins Zimmer kommt, faltet er schnell die Hände zum Gebet, stützt sich aufs Kopfkissen und tut so, als wäre nichts. Ein Dilemma, unter dem Christopher Wallace schon als Teenager litt: reich werden wollen um jeden Preis, doch für Mutter unbedingt der liebe Sohn bleiben.
Die von Wallaces Mutter co-produzierte, oft menschelnde Biografie „Notorious“ schildert dessen Aufstieg vom Brooklyn-Kid zum Rap-Superstar The Notorious B.I.G., der, so legt es die Erzählung nahe, einem Bandenkrieg zum Opfer fiel, als er 1995 mit 24 Jahren in seiner Limousine erschossen wird.
Über Wallaces gutes Herz lässt die Geschichte wenig Zweifel: Der 300-Pfund-auf zwei-Meter-Koloss wird in Jamal Woolards Darstellung zum liebenswerten Brummbären, dessen Drang nach Ruhm und Frauen einem Mitleid erregenden Minderwertigkeitsgefühl zugrunde liegt und für Zündstoff sorgt. Dies geschieht in Form – überzeugender – HipHop-Einlagen und jener seit „Ray“ beliebten Formel, Eifersuchtsdramen zwischen Mann und Frau in das Musikstudio zu übertragen, wo die betrogene Rapperin Lil‘ Kim (Naturi Naughton) zu ihren gefühlvollsten Leistungen angestachelt wird.
Allein der Konflikt zwischen B.I.G. und seinem Rivalen Tupac Shakur aus Los Angeles, an dessem Ende beide getötet werden, bleibt unterbelichtet. Im Film sind Wallace und Shakur Opfer namenloser Strippenzieher, die die Rivalität zwischen Ost- und Westküstenrappern um jeden Preis erhalten wollen. B.I.G habe sich eher als Brückenbauer verstanden. „Notorious“ strickt an dieser Legende mit.

Text: Sassan Niasseri

Foto: Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Annehmbar

Notorious USA 2009, Regie: George Tillman, J.R..; Darsteller: Angela Bassett (Voletta Wallace), Derek Luke (Sean „Puffy“ Combs), Jamal Woolard (Christopher „Biggie“ Wallace); Farbe, 96 Minuten.

Kinostart: 26. März 2009

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