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„Prince Avalanche“ im Kino

Prince Avanlanche

Sie sind extrem gegensätzliche Charaktere, der penible Alvin und der  scheinbar coole Lance, der nur an das Wochenende mit seinen Vergnügungsmöglichkeiten denkt. Was man ihm nicht ganz verübeln kann, denn der Sommerjob, auf einer Landstraße in der texanischen Einöde des Jahres 1988 die gelbe Mittellinie zwischen den Fahrbahnen zu erneuern, ist schon öde. Alvin hat Lance, den Bruder seiner Freundin, eher unwillig mitgenommen, stört der ihn doch mit seinem permanenten Gerede – zumal über den Sex, den er haben wird – bei der erhofften „quality time“ in der Natur. Die braucht er, um zu sich selbst zu finden, aber auch, um sich mit Sprachkassetten auf die geplante Deutschlandreise mit seiner Braut vorzubereiten.
Paul Rudd, weit entfernt von der bubenhaften Ausstrahlung, die man sonst mit ihm verbindet, verkörpert Alvin als rechthaberischen Streber – aber vielleicht steckt dahinter auch eine gewisse Eifersucht auf die Unbekümmertheit von Lance. Später werden beide hinter ihrer Fassade Verzweiflung enthüllen, die Rollen werden vertauscht und ein Moment des Ausflippens wird unterstrichen durch eine delirierende Kamera. Momente einer großen Traurigkeit kommen wieder in den Film, etwa wenn Alvin in den Trümmern eines niedergebrannten Hauses sich einen klassischen Feierabend mit Familie vorstellt. Zuvor begegnete er in diesen Trümmern einer alten Dame, die vielleicht gar nicht real ist – der Schwebezustand ist das Kennzeichen des Films.
David Gordon Green, der mit seinen ersten Filmen „George Washington“ und „All the Real Girls“ (beide im Berlinale-Forum erstaufgeführt) zur Erneuerung des amerikanischen Independentkinos beitrug, zuletzt aber mit „Ananas Express“, „Your Highness“ und „Bad Sitter“ ein wenig Ratlosigkeit hinterließ, hat mit „Prince Avalanche“ zur alten Form zurückgefunden und zeigt, wie man mit geringen Mitteln (der Film wurde in nur 16 Tagen mit kleinster Crew gedreht) eindringliches Kino machen kann. Seine Adaption eines hierzulande unbekannt gebliebenen isländischen Films ist ganz lakonisch erzählt, der Film hat etwas diskret Philosophisches, weshalb es eine (höchst angemessene) Überraschung war, dass er bei der Berlinale einen Silbernen Bären für die beste Regie erhielt.

Text: Frank Arnold

Foto: Kool Filmdistribution

tip-Bewertung: Herausragend

Ort und Zeiten: „Prince Avalanche“ im Kino in Berlin

Prince Avalanche, USA 2013; Regie: David Gordon Green; Darsteller: ?Paul Rudd (Alvin), Emile Hirsch (Lance), Lance LeGault (Truck Driver); ?94 Minuten; FSK 6

Kinostart: 26. September

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