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Das Kindersoldaten-Drama „Johnny Mad Dog“

mad_dog… gehören zu einer Meute minderjähriger Rebellen in Westafrika, die unter Führung eines erwachsenen „Generals“ plündern, brandschatzen und morden. Zwei besonders beklemmende Szenen in dieser Kinoadaption des Romans „Johnny Chien Mechant“ von Emmanuel Dongala zeigen, wie der 15-jährige Johnny Mad Dog und sein noch weit jüngerer Kamerad ein reiches altes Ehepaar ausrauben und quälen, und wie sie eine Nachrichtensprecherin vergewaltigen, die gut einen Kopf größer ist als die beiden Kindersoldaten. Zuvor beschnüffelt Mad Dog die Frau wie ein Hund. So wie diese Figuren karnevalesk kostümiert mit Perücken, Korsett, Brautkleid, umgeschnallten Engelsflügeln oder Ghettoblastern gezeigt werden, und so wie sie derart wild mit Gewehren um sich ballern, dass sie eigentlich kistenweise Munition mit sich führen müssten, hat das mit der Realität, wie man sie aus Dokumentarfilmen kennt, wenig zu tun. Dennoch sind die Gewaltszenen von einer erschütternden Unmittelbarkeit, und Dagbeh Tweh als blindwütiger Killerknirps No Good Advice wirklich erschreckend. Die Hintergründe für den Terror bleiben im Dunkeln – man erlebt die Geschehnisse aus der Perspektive der Kinder, die ja selber keinen Durchblick haben.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: „Zwiespältig“

Johnny Mad Dog
Frankreich/Belgien/Liberia 2008; Regie: Jean-Stephane Sauvaire; 96 Minuten; Extras: Originaltrailer, Making of, Bildergalerie; Koch Media

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