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„Project X“ im Kino

Project X

Bislang stand der Name Thomas Mann für hohe Kunst – das könnte sich jetzt ändern, der Hauptperson dieses Films (verkörpert eben von einem gewissen Thomas Mann) ist die Kamera nur Mittel zum Zweck, so wie die gigantische Party, die er an seinem 17. Geburtstag im Haus seiner (abwesenden und nichts ahnenden) Eltern veranstalten will, nur dazu dient, bei den ‚heißen‘ Mädchen an seiner Schule als ‚cool‘ zu gelten. Und wenn Freund Dax mit seiner Videokamera das im Bild festhält, sollte das seinem Loser-Dasein ein Ende bereiten.
Es kommt, wie es kommen muss, die Party gerät megamäßig außer Kontrolle, die schlimmsten Albträume werden wahr, wozu u.a. ein kleinwüchsiger Rachsüchtiger und ein nicht weniger übelgelaunter Drogendealer beitragen. Totale Destruktion ist das Resultat, auch insofern ist der erinnerungswürdigste Moment ganz untypisch: wenn die Kamera die Riesenmenge von Partygästen erfasst, die für einen Augenblick tatsächlich mucksmäuschenstill auf dem Rasen hinter dem Haus verharren, während an der Haustür Thomas und Costa zwei Streifenpolizisten davon überzeugen, dass die Party schon vorüber sei. Ein Film, der inspiriert sein könnte von einer jener Nachrichten der Seite Vermischtes der Tageszeitungen, wo über – dank Facebook – außer Kontrolle geratene private Feiern berichtet wird. Das Ende mit seiner Entfesselung von Feuer und Wasser hat hier geradezu apokalyptische Untertöne und beschwört jene Bibelfilme herauf, die die Sünden erst ausführlich ins Bild setzten, bevor die Sünder den Zorn Gottes zu spüren bekamen. Bleiben Sie dran, denn gleich nächste Woche wird im Kino die alles enthüllende digitale Kamera erneut aufs Feiern gerichtet (statt wie bisher auf Monster und sonstige Schrecken), dann startet nämlich Sönke Wortmanns „Das Hochzeitsvideo“.

Text: Frank Arnold
Foto:
Beth Dubber / 2012 Warner Entertainment Inc.
tip-Bewertung:
Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Project X“ im Kino in Berlin

Project X, USA 2012; Regie: Nima Nourizadeh; Darsteller: Thomas Mann V  (Thomas), Oliver Cooper (Costa), Jonathan Daniel Brown I (J.B.); 88 Minuten; FSK 16

Kinostart: 3. Mai 2012

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