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„Prometheus – Dunkle Zeichen“ im Kino

Prometheus

Sogar den alten Ufo-Forscher Erich von Däniken bemüht Scott in der Argumentation dafür, auf die Suche nach Prometheus zu gehen, der dem Leben den zündenden Funken gab. Im Prolog des Films schwebt ein ätherisches Wesen über unberührter, irdischer Landschaft und stürzt sich in einen Wasserfall, um scheinbar spurlos zu zerfließen in den Elementen. Doch der visuell so elegant kommunizierten Prämisse folgt eine umständlich erklärte Mythologie mit so vielen Ungereimtheiten, dass der Film schnell mit seiner Bedeutungsschwere und narrativen Beliebigkeit zu ringen beginnt. Doch vielleicht führt eine solche Reise bei einem Budget von 125 Millionen Dollar automatisch ans Ende der Fantasie. Denn „Prometheus“ ist eine bestechende Mogelpackung – und tatsächlich neue, inoffizielle „Alien“-Baureihe. Selbstverständlich muss man gesehen haben, wie Scott und der begnadete Produktionsdesigner Arthur Max die Dimensionen von Planeten und Raumschiffen greifbar machen, mit oder ohne 3D. Wie der Horror inzwischen die Dimensionen eines herabstürzenden Hochhauses annimmt und welch technischen Fortschritte der pessimistische Brite diesmal antizipiert beim Blick in die Zukunft. Aber dramaturgische Durchschaubarkeit und mit grober Klinge geschnitzte Figuren im Script von „Lost“-Autor Damon Lindelof ziehen sich durch ganz „Prome­theus“. Am Ende steht wieder nur die verschwurbelte Verheißung auf irgendeinen weiteren Aufbruch, weitere Planeten, eine weitere Spezies. Vielleicht wird ja „Prome­theus 2“ der große Wurf. Oder „Blade Runner 2“, den Scott ja drehen will – auch wenn es wieder nur eine vage Idee dafür gibt.
Vielleicht ist es aber auch kein Zufall, dass alle großen Science-Fiction-Filme von Regisseuren in der Frühphase ihrer Karriere gedreht wurden. Gegen massive Widerstände und angetrieben davon, die eigene Stimme zu etablieren. Ridley Scott muss nicht mehr laut werden, um sich Gehör zu verschaffen. Aber über dreißig Jahre nach „Alien“ hat er gerade nichts Neues zu sagen über diese Welt. Er fragt lieber und hätte nichts gegen Antworten, die im Herbst des Lebens zunehmend interessieren. Doch kein Ton kommt zurück aus dem Weltraum, in dem uns schon vor dreißig Jahren niemand schreien hörte.

Text: Roland Huschke

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Prometheus – Dunkle Zeichen“ im Kino in Berlin

Prometheus, USA 2012; Regie: Ridley Scott; Darsteller: Noomi Rapace (Elizabeth Shaw), Michael Fassbender (David), Guy Pearce (Weyland); 124 Minuten; FSK 16

Kinostart: 9. August

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