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Interview

Rachel Weisz im Gespräch über ihren neuen Film „Verleugnung“

„Es schadet nicht, die Leute aufzurütteln“ – Die britische Schauspielerin Rachel Weisz über das Gerichtsdrama Verleugnung, ihre Rollenauswahl und die Lust am Produzieren

Foto: SquareOne Universum

Rachel Weisz: Die Londonerin, 47, ­spielte 1996 an der Seite von Keanu Reeves und Morgan Freeman ihre erste ­Kinohauptrolle in dem Thriller „Außer ­Kontrolle“. Es folgten interessante Genrefilme wie Winterbottoms
„I Want You“ (1998) oder „Beautiful Creatures“ und zwei „The Mummy“-Blockbuster. 2006 gewann sie für „Der ewige
Gärtner“ den Oscar als Beste Nebendarstellerin. Zuletzt war Weisz in „Das Bourne Vermächtnis“ (2012), „The Lobster“ (2015) und „Ewige Jugend“ (2015) zu sehen.

tip Mrs Weisz, stimmt es, dass Sie die von ­Ihnen in „Verleugnung“ gespielte Professorin Deborah Lipstadt als „echte Nervensäge“ bezeichnet haben?
Rachel Weisz Oh ja, aber das meinte ich natürlich durch und durch liebevoll. Sie ist eine, die immer für ihre Überzeugungen eingetreten ist und sich nicht darum geschert hat, ob sie sich dadurch irgendwo unbeliebt macht. Ich finde, es ist eine ganz wunderbare Eigenschaft, wenn jemand sich traut, nicht gemocht zu werden. Solche aufrechten ­Frauen, die auch mal anecken, sieht man besonders im Kino viel zu selten.

tip Ist es hilfreich oder hinderlich, die Frau kennenzulernen, die man verkörpern soll?
Rachel Weisz Pauschal lässt sich das sicher schwer beantworten, aber im Fall von „Verleugnung“ war es eine große Freude. Bevor der Dreh losging, kam Lipstadt nach New York, und wir saßen ein paar Tage lang einfach in meiner Küche und quatschten. Sie erzählte gar nicht so sehr von den Ereignissen, um die es im Film geht, sondern einfach aus ihrer Kindheit und von ihren Eltern. Ich hörte nur zu und sog ihre ganze Persönlichkeit auf wie ein Schwamm.

tip
Ist es als Britin nicht sehr seltsam, eine Amerikanerin zu spielen, die nach London kommt?
Rachel Weisz Ich fand das ganz wunderbar. Als waschechte ­Londonerin nun eine Frau aus Queens zu ­spielen, die ziemlich befremdet ist vom ­seltsamen Benehmen dieser schnöseligen Briten mit ihren Oxford-Gepflogenheiten, das hat einen Heidenspaß gemacht. Überhaupt ist das in meinen Augen eine der großen ­Stärken des Films: dass er trotz seiner alles andere als lustigen Geschichte wirklich Sinn für Humor hat. Das liegt natürlich am ­wunderbaren Drehbuch von David Hare.  Aber eben auch an ­Deborah, deren Thema zwar der Holocaust ist, doch die dennoch vor Witz und Lebensfreude nur so sprüht.

tip Sie drehen selten Filme, die man als ­„leichte Kost“ bezeichnen würde. Fühlen Sie als Schauspielerin eine politische oder gesellschaftliche Verantwortung?
Rachel Weisz Das ist ein sehr großes Wort. Und ich habe auch gar nichts gegen leichte Kost. Im Kino ist ­immer auch Platz für reine Unterhaltung. Aber es stimmt, dass ich am liebsten Geschichten erzähle, die ich wichtig finde. Filme, die sich mit Themen beschäftigen, die mir am Herzen liegen. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass solche Filme die Welt zu einem besseren Ort machen. Doch es schadet ja nicht, die ­Leute ein bisschen aufzurütteln, oder?

tip Mit einem Superhelden-Film muss man Ihnen also nicht kommen?
Rachel Weisz So kategorisch würde ich das nicht sagen. Aber Sie haben nicht ganz Unrecht. Außerirdische oder abenteuerliche Spezialeffekte – das ist alles nicht so meine Baustelle. Der letzte Film mit einem Raumschiff, der mich wirklich ­begeistert hat, war Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“. Ist also schon eine Weile her.

tip Haben Sie schon einmal darüber nach­gedacht, selbst Regie zu führen?
Rachel Weisz Im Moment ist das noch nichts, was mich wirklich reizt. Derzeit habe ich mehr Spaß daran zu produzieren. Spannende Stoffe zu finden, Bücher zu lesen und mir die Rechte daran zu sichern, die Entwicklung von Drehbüchern im Blick zu haben und geeignete Regisseure dafür zu finden – das ist richtig spannend.

tip Ist Eigeninitiative heutzutage der Schlüssel, um als Schauspieler eine erfüllte ­Karriere zu haben?
Rachel Weisz Für mich persönlich ja. Einfach nur herumsitzen und darauf warten, was mir passiert, ist nicht mein Ding. Wenn ich zum Beispiel einen besonders tollen Film sehe, versuche ich ­immer, Kontakt mit dem Regisseur aufzunehmen. Schließlich kann ich es nicht dem Schicksal überlassen, dass spannende Leute meinen Weg kreuzen und interessante Rollen auf meinem Tisch landen. Da sage ich lieber direkt Bescheid, dass ich an einer Zusammenarbeit interessiert bin. Und tatsächlich kamen auf diese Weise schon einige wunderbare ­Projekte zustande, etwa „The Lobster“ von Yorgos Lanthimos. Ihn habe ich nach „Dogtooth“ wissen lassen, dass ich wahnsinnig gerne mal mit ihm arbeiten würde.

Lesen Sie die Kritiik von „Verleugnung“

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