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„Ralph reicht\s“ im Kino

Ralph_reichts_c_2012DisneyRalphs Vorgeschichte klingt wie eine Gentrifizierungsposse aus Prenzlauer Berg: Da wird der ungehobelte Kraftklotz Ralph von seinem angestammten Platz vertrieben, weil sein Baumstumpf einem Haus weichen muss, in dem fortan die „Nicelanders“ wohnen. Nun mutiert Ralph zum tobenden Wreck-It-Ralph, der unentwegt das Gebäude demoliert, während Fix-It-Felix, ein dauerfröhlicher Handwerker, die Schäden im Handumdrehen behebt und dafür von den Hausbewohnern mit Medaillen dekoriert wird. Ralph bleibt nur der Platz auf der Müllkippe. Tatsächlich ist Ralph der Held des neuen Disney-Animationsfilms
„Ralph reichts“ und entstammt als solcher einem – ebenso simplen wie fiktiven – 8-Bit-Videospiel der frühen 1980er-Jahre. Da Regisseur und Co-Storyautor Rich Moore bislang vor allem an den mit bösem Humor und scharfen gesellschaftspolitischen Analysen bestechenden Serien „Die Simpsons“ und „Futurama“ arbeitete, kommen die ironisch-anarchischen Spitzen sicher nicht von ungefähr.

Ein großes Herz für Außenseiter hat der Film allemal, während die Spießer, die voller Verachtung auf jeden blicken, der anders als sie selbst ist, hier nicht gut wegkommen. Da Ralph in seiner eigenen Welt nicht auf Verständnis hoffen kann, beschließt er kurzerhand, das Spiel zu wechseln und anderswo den Helden zu mimen. Das ist eine schöne und amüsante Idee, bietet es den Disney-Animatoren doch die Gelegenheit, den rustikalen Ralph zunächst mit einem – ihn in seiner Geschwindigkeit völlig überfordernden – Ballerspiel in modernster Grafik zu konfrontieren, ehe er im kitschig-bunten Süßigkeitenland der Rennsimulation „Sugar Rush“ landet, wo er auf die – dank eines vermeintlichen Programmierfehlers – ebenfalls zur Außenseiterin gewordene Vanellope trifft. Man braucht beileibe kein Spielhallen-Freak zu sein, um mit den komplex charakterisierten Figuren zu fühlen, die bei ihrem Streben nach ein wenig Anerkennung alsbald wahre Verwerfungen in der Spielothek provozieren – denn im Zweifelsfall wird das „kaputte“ Spiel abgeschaltet und entsorgt. Da ist bei allem Humor das Drama von „Toy Story“ nicht allzu weit entfernt. Wäre Pixars „Merida“ zuletzt glatt als gelungener Disneyfilm durchgegangen, könnte „Ralph reichts“ ohne weiteres als Qualitätssiegel auch das Pixarlogo tragen. 

Text: Lars Penning

Foto: 2012 Disney

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ralph reichts“ im Kino in Berlin

Wreck-It-Ralph USA 2012; Regie: Rich Moore; Sprecher OF: John C. Reilly (Wreck-It Ralph), Sarah Silverman (Vanellope von Schweetz), Jack McBrayer (Fix-It Felix); 102 Minuten; FSK 0;

Kinostart: 6. Dezember 

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