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„Rampage“ und „Darfur“ von Uwe Boll im Kino

Schluss mit lustig, Uwe Boll macht ernst. Der fleißigste deutsche Filmemacher seit Rainer Werner Fassbinder, der im vergangenen Jahr gleich vier Filme drehte, ist in seiner Produktivität ungebrochen; unbeirrt von Kritikerschelte und der Häme von Fans, die seine zahlreichen Leinwandadaptionen von Computerspielen nicht mögen. Dass Boll in seinen letzten Filmen seine Themen in der Wirklichkeit fand, dabei ernsthaft und pessimistisch geworden ist, wurde meist ignoriert. Seine beiden neuen Filme, die jetzt parallel in die Kinos kommen, sind einem Mitten-im-Geschehen-Stil verpflichtet, der den Zuschauer entsprechend atemlos zurücklässt.
Das passt zu „Rampage“, der den Amoklauf eines 23-Jährigen in einer amerikanischen Kleinstadt aus dessen Perspektive zeigt. Der kanadische Schauspieler Brendan Fletcher („Tideland“) verkörpert diesen Jungen mit einer beängstigenden Mischung aus scheinbarer Passivität und unterdrückter Anspannung, wobei die Szenen mit seinen Eltern einen durchaus satirischen Beigeschmack haben und der Schluss einige überraschende Wendungen bereithält.
„Darfur“ dagegen ist ein gradliniges Politdrama, das den Völkermord im Sudan auf die Frage nach dem Wegschauen oder Eingreifen des Westens zuspitzt. Eine Gruppe amerikanischer Journalisten wird Zeuge, wie eine arabische Miliz das schwarzafrikanische Dorf besetzt, in dem sie gerade Informationen gesammelt haben. Sollen Sie versuchen, den Dorfbewohnern zur Seite zu stehen? Von Gleichgültigkeit und Zynismus hin zum scheiternden Engagement und zur Verzweiflung zeigt der Film die Entwicklung seiner Protagonisten. Hintergrundinformationen sollte man nicht erwarten, vielmehr geht es Boll um die Emotionalisierung des Zuschauers, auch durch das Zeigen der Gräueltaten. Am Ende steht zwar ein Hoffnungsschimmer, ansonsten aber ist dies ein ziemlich düsterer Film, der sich zwischen die Stühle setzt.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung für beide Filme: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Rampage“ im Kino in Berlin

Rampage, Kanada/Deutschland 2009; Regie: Uwe Boll; Darsteller: Brendan Fletcher (Bill), Shaun Sipos (Evan), Lynda Boyd (Bills Mutter); Farbe, 79 Minuten

Kinostart: 29. April

Orte und Zeiten: „Darfur“ im Kino in Berlin

Darfur, USA 2009; Regie: Uwe Boll; Darsteller: Billy Zane (Bob Smith), Edward Furlong (Adrian Archer), Kristanna Lшken (Malin Lausberg); Farbe, 100 Minuten

Kinostart: 29. April

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