Religion vs. Sex

„Regeln spielen keine Rolle“ im Kino

Nach 15 Jahren wieder mal auf der Leinwand: Warren Beatty und sein Film „Regeln spielen keine Rolle“

Foto: Fox

Kein Film über Howard Hughes, sagt Warren Beatty. Das stimmt nur begrenzt. „Regeln spielen keine Rolle“ ist sehr wohl ein Film über den exzentrischen Milliardär und Filmverrückten, aber nicht nur. Es ist auch ein Film über Beatty selber (der im selben Jahr nach Hollywood kam, in dem auch der Film beginnt, 1958), ebenso über die Tabus der US-Nachkriegsgesellschaft, die heute immer noch nachwirken, etwa wenn man sich den unterschiedlichen Umgang bei den Kino-Freigaben im Hinblick auf Sex und Gewalt anschaut.
Die Geschichte der Kleinstadtschönheit ­Marla Mabrey (Lily Collins), die nach Hollywood kommt, als Schauspielerin unter Vertrag bei Howard Hughes, inszeniert Beatty streckenweise höchst komisch, etwa die unbeholfen wirkenden Annäherungsversuche des Multimillionärs. Oder wenn Chauffeur Frank (Alden Ehrenreich) sich in Marla verliebt, sie seine Gefühle erwidert, aber beiden ihre religiösen Überzeugung im Weg steht.
Dabei ist hinter der Farce das Drama stets zu spüren; das gilt auch für die von Beatty selber gespielte Figur des Howard Hughes: Trotz aller Verrücktheiten und unangenehmen Züge hat er am Ende einen würdevollen Auftritt.
Dies ist kein Epos (wie Beattys „Reds“ es war oder Martin Scorseses Hughes-Biopic ­„Aviator“), eher ein „kleiner“ Film, der es vielen bekannten Darstellern erlaubt, in kurzen Auftritten zu glänzen. Erzählerisch ein Stück klassisches Hollywood und damit Teil einer vergangenen Epoche; umso bedauerlicher, dass der Verleih ihn so lustlos herausbringt, wo etwa die internationale Premiere bei der Berlinale denkbar gewesen wäre.

Rules Don’t Apply (OT) USA 2016, 127 Min., R: Warren Beatty, D: Warren Beatty, Lily Collins, Annette Bening, Start: 4.5.

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