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Regisseur Karan Johar zu „My Name is Khan“

Karan-Johartip Herr Johar, in „My Name is Khan“ schicken Sie Shah Rukh Khan als autistischen Moslem quer durch die Post-9/11-USA auf eine allumfassende Versöhnungsmission zwischen den Kulturen und Religionen. Soll „My Name is Khan“ Ihr erster globaler Film sein?

Karan Johar Mein Film transportiert eine Botschaft, die weltweit von Bedeutung ist. Es gibt doch schließlich überall Fehlwahrnehmungen von Minderheiten und Religionen. Deshalb dachte ich, dass diese Thematik auf einer großen, globalen Plattform behandelt werden muss, und habe ein menschliches Drama und eine Liebesgeschichte um die dazugehörige Botschaft gewebt.

tip Wenn man den Film sieht, könnte man allerdings auch durchaus den Eindruck bekommen, dass Sie den USA eine Lektion in gesellschaftlichem Liberalismus erteilen wollen.

Johar Ich habe den Film nicht gedreht, um jemandem eine Lektion zu erteilen. Ich will vielmehr zeigen, was heutzutage in der Welt so falsch läuft. Denn ob es in Amerika oder irgendwo anders ist, wo es solche gesellschaftliche oder religiöse Spaltungen gibt: Man muss sie benennen, über sie sprechen und die Zuschauer zum Nachdenken bringen – und auf keinen Fall mit dem Finger darauf zeigen.

tip Welche Rolle spielt bei Ihrem Projekt der Vertrag, den Sie mit den amerikanischen Fox-Studios abgeschlossen haben?

Johar Fox Searchlight bot diese globale Plattform und hat eine hervorragende Infrastruktur, um den Film reisen zu lassen und zu
verbreiten. So werden für Bollywood neue Märkte unter anderem auch in Europa erschlossen. Es ist das erste Mal, dass eine indische Produktion auf einem derart großen Level mit einem ausländischen Studio zusammengearbeitet hat.

tip Haben die Verantwortlichen der Fox-Studios versucht, Sie bei der Darstellung der amerikanischen Figuren zu beeinflussen?

Johar Nein, auf gar keinen Fall. Fox hat sich bei allen kreativen Fragen komplett rausgehalten.

tip Anders als noch auf der Berlinale im Februar läuft „My Name is Khan“ in Deutschland nun in einer um rund 40 Minuten gekürzten Version und ausschließlich synchronisiert. War das Ihre Idee oder die der Fox-Studios?

Johar Die Strategie ist aus gemeinsamen Überlegungen entstanden, dass der Film bei einem internationalen Start in einer gekürzten
Version laufen wird. Meine Cutterin Deepa Bhatia und Alan Bell, ein Cutter aus Hollywood, haben den Film dann auf die etwas
über zweistündige Version gebracht, die nun auch in Deutschland zu sehen sein wird. Ich als Regisseur bin jedenfalls sehr glücklich
und zufrieden mit dieser internationalen Fassung.

tip Wie haben Sie die Szenen, die entfernt werden sollten, ausgewählt? Gab es Testscreenings mit internationalem Publikum?

Johar Ja, es gab einige solcher Testvorführungen, die letztlich zu dieser Schnittversion geführt haben. Wir bekamen eine sehr positive Resonanz bei diesen Screenings vom Publikum, von Filmkritikern und Menschen, die eine Affinität zum Kino haben.

tip Glauben Sie denn, dass ein Publikum außerhalb Indiens keine drei Stunden im Kino aushält?

Johar Das westliche Publikum ist vor allem an eine bestimmte Länge von Filmen gewöhnt. Allerdings denke ich, dass wir indischen Filmemacher sehr nachgiebig sind, was die Länge der Filme anbelangt. Ein internationales Publikum, das ein wenig kinoerfahrener ist, braucht bestimmte Ausführungen und Erklärungen nicht, die wir in unserem Kino gewöhnlich anbieten. Wir haben daher den Film von diesen Überdeutlichkeiten befreit und die Erzählung stromlinienförmiger gemacht.

tip Sie hatten also nie das Gefühl, Ihren Film zu schlachten?

Johar Nein, definitiv nicht. Ich hatte eher das Gefühl, die Kunst der Schwerkraft zu lernen – und die gehört eigentlich nicht zu meinen Stärken. Ich hoffe und bete, dass diese Fassung genauso gemocht wird. Eigentlich bin ich sogar stolzer darauf als auf die erste. Es war für „My Name is Khan“ fast wie eine große Wiedergeburt.

Das gesamte Interview von tip-Autor Sascha Rettig lesen sie in dert aktuellen tip-Ausgabe 13/2010.

Filmkritik und Trailer „My Name is Khan

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