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Reinhard Hauff rief mit „Stammheim“ illustre Gegner auf den Plan

StammheimSchon während der Berlinale gibt es anonyme Drohungen, sogar Morddrohungen gegen Jurymitglieder. Doch dann bleibt es bei einem Buttersäure-Anschlag auf den Zoo-Palast. In Hamburg sind die Autonomen erfolgreicher. Dort verhindern sie die Premiere in der Kampnagel-Fabrik. Die autonomen Filmgegner sind aufgebracht, weil „Stammheim“ geeignet sei, „bei Normalbürgern endgültig revolutionäre Hoffnungen zu zerstören und innerhalb der Linken Spaltung zu betreiben“. So steht es in der „taz“.

In der „Welt“ hingegen, die sich damals noch in erster Linie als Kampfblatt gegen kommunistische Umtriebe begreift, wütet der Rechtsausleger Günter Zehm und setzt „Stammheim“ mit dem Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ gleich. Später schrieb der Kenner der nationalsozialistischen Propaganda dann für die sehr rechtskonservative „Junge Freiheit“. Schließlich war da auch noch Gina Lollobrigida. Sie war die Berlinale-Jurypräsidentin und musste gegen ihren Willen den Goldenen Bären an „Stammheim“ verleihen. Während der Zeremonie brüskierte sie Hauff, ihre Jury, Festivalchef de Hadeln und das Publikum, als sie auf der Bühne säuerlich verkündete: „I was against this film“. Den Bären musste sie zwar doch rüberreichen, schimpfte aber noch jahrelang weiter.

Text: Volker Gunske

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