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„Remainder“ im Kino

"Remainder" im Kino

Seine Vergangenheit wird ausgelöscht, als dem 30-jährigen Angestellten Tom eines ­Tages in der Londoner City ein Metallteil auf den Kopf fällt. Nach einer langen Genesungszeit um achteinhalb Millionen Pfund Abfindung reicher nutzt er das Geld, um sein früheres Leben zu rekonstruieren. Dafür heuert Tom eine Reihe von Menschen an, die ihm Rituale des Alltags vorspielen. Das aufwändige Arrangement führt dabei zu absurden Situationen, zumal wenn Tom äußerste Präzision einfordert.
Andererseits gibt es auch eine konkrete Bedrohung durch zwei Männer, die offenbar mehr wissen über Toms Vergangenheit und vor Mord nicht zurückschrecken. Während ­seine Lebensgeschichte mit der Inszenierung eines Banküberfalls (samt dafür angeheuertem Filmregisseur) immer näher an die Gegenwart rückt und sich Tom immer mehr in seine Obsessionen verrennt, die Reenactments eher Fantasien als Erinnerungen evozieren, scheint alles auf den großen Knall zuzusteuern.
Das Langfilmdebüt des Videokünstlers Omer Fast, eines gebürtigen Israeli, der seit vielen Jahren in Berlin lebt, basiert auf dem Roman des Briten Tom McCarthy und verzichtet glücklicherweise auf dessen überdrehtes Ende. Herausgekommen ist ein ungewöhnlicher Psychothriller mit Zügen des Paranoia­kinos, dessen verhaltene Inszenierung eine Herausforderung an den Zuschauer darstellt, der gleichwohl in diese seltsame Welt hineingezogen wird.

Text: Frank Arnold

Foto: Piffl Medien

Orte und Zeiten: Remainder

Remainder GB/D 2015, 104 Min., R: Omer Fast, D: Tom Sturridge, Ed Speleers, Cush Jumbo, Danny Webb

Kinostart: Do, 12. Mai 2016

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