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Rencontres Internationales im Haus der Kulturen der Welt

hkw_rencontres_internationales_thorsonUnd finden womöglich Antworten und Positionen, die in einer schnelllebigen Gesellschaft, die vom steten Fortschreiten der Produktions- und Verbreitungsweisen nicht selten überfordert ist, oft keinen Platz haben. Das Film-Kunst-Festival Rencontres Internationales, das jedes Jahr zwischen Berlin, Madrid und Paris pendelt, könnte man in diesem Sinne als eine Oase bezeichnen, in der sich Künstler niederlassen, um sowohl kritische als auch zukunftsorientierte Betrachtungen für eine Welt, die nicht selten geprägt ist von technokratischem Starrsinn, zu finden.

So eröffnet das Festival, das vom 25. bis 30. Juni im Haus der Kulturen der Welt stattfindet, unter dem Titel „Neue Fiktion“ mit einer iPhone App-Performance des Duo Jodi. Das Künstlerpaar hat eine App entwickelt, die die Bewegungen ihres Nutzers aufzeichnet und daraus eine Choreographie entstehen lässt. Die tägliche Interaktion und die Omnipräsenz technischer Geräte verschmelzen in dieser Performance zu einer Versuchsanordnung, die das menschliche Verhalten unter dem Einfluss von Technologie untersucht. In Anwesenheit der Künstler sind Besucher dazu eingeladen, die App in einer gemeinsamen Performance auszuprobieren.

Auch in diesem Jahr werden zahlreiche Künstler ihre Arbeiten persönlich vorstellen, Cineasten erwartet eine Auswahl von 115 Werken aus Deutschland, Frankreich, Spanien und 48 weiteren Ländern, welche die Bilder unserer Zeit hinterfragen. In thematischen Screenings werden Filme von u. a. von Eija-Liisa Ahtila, Rosa Barba, François Bucher, Pedro Costa, Peter Downsbrough, Johan Grimonprez, Eleonore de Montesquiou, Sasha Pirker und Apichatpong Weerasethakul, der 2010 als erster thailändischer Filmemacher die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes erhielt, gezeigt.

Regisseur Thomas Arslan hat darüber hinaus ein Filmprogramm, das am 29. Juni zu sehen sein wird, mit den Arbeiten von Studenten der Universität der Künste kuratiert. Am selben Tag diskutieren die Filmtheoretikerin Christa Blümlinger und der Medien- und Literaturwissenschaftler Rainer Bellenbaum unter dem etwas schwerfälligen Titel „Politik des Bildes – Umbruch der Dispositive und kollektive Erfahrung“ über die unterschiedlichen Kontextualisierungen von Kunstwerken und deren Rezeption. Das anschließende Open Air-Screening „Archi Fiction“ lässt Architektur und Stadt zu Protagonisten werden und tritt in einen Dialog mit der Architektur des HKW.

Ein weiterer Höhepunkt folgt am 29. Juni. Der portugiesische Regisseur Pedro Costa, bekannt für sein ungeschöntes, realistisches Kino, das formal ohne Drehbuch auskommt und aus der Zusammenarbeit von Regisseur und Schauspielern entsteht, wird seine Arbeitsweise in einem Workshop vorstellen. Am Abend wird das Festival, im Rahmen einer Carte Blanche, einen seiner wichtigsten Filme, die dokumentarische Fiktion „Casa de Lava“, zeigen. 1994 entstanden, erzählt „Casa de Lava“ die Geschichte eines illegalen Einwanderers, der in Lissabon als Bauarbeiter verunglückt, ins Koma fällt und von der depressiven Krankenschwester Marina in seine kapverdische Heimat gebracht wird.

Text: Martin Daßinnies

Foto: „Horizon“ von Joshua Thorson

Rencontres Internationales, 25. bis 30. Juni, Haus der Kulturen der Welt, Programm unter www.hkw.de

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