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Retrospektive: Peter Liechti im Arsenal

Vielleicht war es ein Fehler, dass ich nach Schwarzenberg gefahren bin.“ Mit diesem Satz, der gut und gern auch am Anfang eines Buchs von Thomas Bernhard stehen könnte, kommentiert Peter Liechti zwischendurch seinen großartigen Film Ausflug ins Gebirg, eine schräge Meditation über die anderen Zustände, in die man in den Landschaften weiter oben gerät. 1986 veröffentlichte Liechti diesen Experimentalvideofilm, der ihn als eigenwilligen Poeten auswies, als einen Künstler, der sich von Ideen, Eindrücken, Assoziationen treiben lässt, der dabei aber auch der Wirklichkeit jenen Hintersinn ablauscht, den nur feinsinnige Geister entdecken.

In den gut 30 Jahren seines Schaffens hat Liechti ein schmales, dabei aber äußerst dichtes Werk geschaffen. Am bekanntesten ist wohl Signers Koffer, ein Porträt des Künstlers Roman Signer, das weit über die Konventionen dieses Genres hinausgeht. Denn Liechti schafft filmische Wirklichkeiten, in denen es nicht weiter erstaunlich ist, wenn Stühle mit Raketenantrieb aus Fenstern geflogen kommen. Oder wenn sich eine mächtige Muttersau quer über eine Straße legt, um ihre Ferkel zu säugen. Diese Szene findet sich in Hans im Glück, in dem Liechti sich auf eine Fußwanderung von Zürich nach St. Gallen begibt, mit der Absicht, das Rauchen aufzugeben. Was im Zug eine gute Stunde dauern würde, wird bei ihm zu einem Weltgedicht aus einem entlegenen Winkel, vorgetragen mit dem herrlichen Missmut eines Mannes, dem die Glieder und der Nikotinentzug Schmerzen bereiten. Wilde Musik spielt bei ihm häufig eine Rolle, er spricht aber auch über seine Vorliebe für Fleischkäse.

Das Wichtige und das Triviale liegen bei ihm immer so nahe beisammen wie die Katastrophe und deren unvermutetes Ausbleiben. 2009 kam Das Summen der Insekten heraus, eine Meditation auf den Tod und das Sterben. Und zuletzt kehrte er mit Vaters Garten zu seinen Eltern zurück, die er schon in „Hans im Glück“ beim Putzen verewigt hatte. Ein Werk voller Überraschungen.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Peter Liechti, ?Werkschau im Arsenal von Fr 14.3. bis Mo 31.3.; Eröffnung ?am Fr 14.3. um 20.00 Uhr in Anwesenheit von Peter Liechti

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