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Retrospektive Martin Scorsese im Kino Arsenal

ScorseseSeine Karriere begann bahnbrechend mit den „Mean Streets“ von New York, auf denen er einen harten, ethnisch (in seinem Fall: italoamerikanisch) geprägten Realismus fand. Doch kaum hatte er 1975 mit „Taxi Driver“ den kanonischen Film in diesem Bereich gemacht, wandte er sich mit „New York, New York“ einer anderen ästhetischen Form zu: dem Musical, das damals als Genre so tot war wie sonst nur noch der Western – und damit bereit für die konzeptuellen Wiederbelebungsversuche klassischer Sujets und Formen, die von nun an Scorseses Werk durchziehen sollten. Es ist ein Kino nicht so sehr der Nostalgie als der Intensivierung, wie vor allem an dem Boxerfilm „Raging Bulls“ unnachahmlich deutlich wurde, dem eine wilde Körperlichkeit zu eigen ist, eine beseelte, fast würde man meinen schmerzempfindliche Kameraarbeit.

Wenn das Arsenal im Dezember das Gesamtwerk von Martin Scorsese zeigt, so gibt es Gelegenheit einerseits zum Wiedersehen unbestrittener Großtaten wie „Casino“, aber auch kontroverser Höhepunkte wie „King of Comedy“. Und es ist vielleicht an der Zeit, sich noch einmal mit Scorseses eigensinnigem, fantastischen Realismus zu beschäftigen, wie er in seinen Religionsfilmen („Die letzte Versuchung Christi“, „Kundun“) zum Ausdruck kommt. In allen Fällen ist die Bildmacht bei ihm auch eine technische – allerdings liebt er die Verfahren, die in der Digitalisierung verloren zu gehen drohen. Auch in dieser Hinsicht ist Scorsese ein Erbschaftsverwalter, einer, der zuletzt in „Hugo Cabret“ selbst 3D mit den Anfängen der Filmgeschichte rück­geschlossen hat.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Kino Arsenal

Retrospektive Martin Scorsese Do 6.12. bis Di 15.1.2013 im Arsenal; www.arsenal-berlin.de; Ab 10.1.2013 zeigt das Filmmuseum die weltweit erste Ausstellung über Martin Scorsese.

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