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Roman Polanski in der Schweiz in Haft

Roman PolanskiWahrlich wie im falschen Film muss sich Filmregisseur Roman Polanski vorgekommen sein, als er am Wochenende in der Schweiz plötzlich festgenommen wurde. Grund für die Festnahme ist ein Verfahren aus dem Jahre 1978. Damals war dem heute 76-jährigen Regisseur in den USA wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen der Prozess gemacht worden.
Polanski hatte es seitdem stets vermieden, Länder zu besuchen, die ein Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten haben. Auch die USA selbst hat der Filmemacher seit 31 Jahren nicht mehr betreten.
Umso überraschender dürfte für Polanksi nun die Festnahme in der Schweiz gekommen sein. Der Regisseur von Filmen wie „Chinatown„, „Rosemaries Baby„, „Tanz der Vampire“ oder auch „Frantic“ hatte sich in den letzten Jahren des Öfteren in dem Alpenstaat aufgehalten und besitzt dort sogar ein Haus. Ein Sprecher des eidgenössischen Justizministeriums konnte nicht beantworten, warum man sich ausgerechnet jetzt an das Auslieferungsabkommen mit den USA erinnerte. Gegenüber der Presse erklärt er lediglich: „Es gab einen rechtsgültigen Haftbefehl, und wir wussten, wann er kommen würde. Deshalb wurde er in Verwahrung genommen.“
Die Schweizer Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf erklärte am Montag, dass „überhaupt keinen Druck aus den USA“ gegeben habe.
Roman Polanski war in die Schweiz gereist, um beim Zurich Film Festival einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk anzunehmen. Die Veranstalter des Festivals zeigten sich „schockiert und erschüttert“ vom Verhalten der Schweizer Behörden.
Im Moment berät sich Polanski mit seinen Anwälten über eine Reaktion auf die Festnahme. Stimmt er der Auslieferung zu, könnte es in den USA zur Wiederaufnahme des Prozesses mit unklarem Ausgang kommen. Legt er Berufung gegen die Auslieferung ein, könnten sich allein die Prozesse in der Schweiz mehrere Monate hinziehen – ebenfalls mit unklarem Ausgang.
Das damalige Opfer der Vergewaltigung hat dem Oscar-Preisträger inzwischen öffentlich verziehen, die Gerichte in den USA lehnten eine Schließung des Verfahrens dennoch stets ab.

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