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Rosa von Praunheim: Geburtstags-Gala im Babylon Mitte

Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim sagt, er könne im Grunde über jeden Menschen einen Film machen. Seine „70 Filme“ kommen dem Gedanken recht nahe. Es sind Porträts und Miniaturen, in denen er langjährigen Freunden begegnet oder auch Unbekannten, zumeist an Orten in Berlin. Das Kaleidoskop umfasst Lokalpolitiker und Callboys, Berliner Prominente, Schornsteinfeger, Zahnärzte und Kneipenbetreiber. Viele Begegnungen gelten Künstlern, wie der Schauspielerin Eva Mattes. Themen tauchen auf, die Praunheim schon in früheren Filmen interessiert haben: ob schwule und lesbische Vorreiter oder Menschen am Gesellschaftsrand, wie junge Stricher aus Rumänien. Der Zweiminüter „Berlin Frobenstraße“ über transsexuelle Prostituierte aus Osteuropa korrespondiert mit Episoden wie „Ausländer raus“, in der von Praunheim den Politikern Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky gegenübertritt. In anderen Erzähllinien reflektiert sich deutsche Zeitgeschichte, so in der eindrücklichen Begegnung mit der Familie des jüdischen Filmmoguls Artur Brauner. „Meine Nachbarn“ heißt eines der berührendsten Kapitel, in dem Praunheim ein gemeinsam gealtertes schwules Paar besucht und zwei so harte wie faszinierende Lebensgeschichten zu Tage fördert. Nicht jede Miniatur ist derart gehaltvoll, doch fügen sich alle gut zu einem Gesamtporträt zusammen, das viel über seinen Macher erzählt: einen Menschenfreund, der sich an das Prinzip der Offenheit hält.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Oliver Wolff

Lesen Sie hier: Tom Tykwer über Rosa von Praunheim
Der Regisseur von „Cloud Atlas“ und „Lola rennt“ über seinen Mentor.

ZUR PERSON ROSA VON PRAUNHEIM
Rosa von Praunheim, bürgerlich Holger Mischwitzky, ist Filmemacher, Künstler, Autor, Wegbereiter der deutschen Schwulenbewegung. Geboren am 25.?11.?1942 in Riga wuchs er bei Adoptiveltern auf. Nach Lebensstationen in Ostberlin, im Rheinland und in Frankfurt am Main zog er Mitte der Sechziger nach Berlin. Seit seinem Langfilmdebüt „Die Bettwurst“ (1970) drehte er allein bis 2011 rund 70 Filme, u.a. „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971), „Überleben in New York“ (1989) und „Meine Mütter – Spurensuche in Riga“ (2007). Er lebt in Charlottenburg.

GEBURTSTAGS-GALA „70 Filme“, Fr 23.11., ab 20 Uhr, Babylon Mitte

TV-MARATHON am 24.11. zeigt der rbb zwölf von insgesamt 20 Stunden aus „Rosas Welt“

MEHR GEBURTSTAGSKINO
Das Kino Arsenal feiert den Regisseur am 25.11. ab 12 Uhr mit einem Brunch (Anmeldung erforderlich); ab 13 Uhr werden sieben Filme aus den Jahren 1970–2007 gezeigt.
Das Kino International folgt mit einem MonGay-Spezial am Mo 3.12., 22 Uhr; mehr Infos: www.70filme.de

EIN PENIS STIRBT IMMER ZULETZT
Do 29.11., 20 Uhr; Praunheim liest aus ­seinem jüngsten Gedichtband in der Autorenbuchhandlung Berlin, Else-Ury-Bogen 599–601, Charlottenburg

ROSEN HABEN DORNEN
Ausstellung mit Filmen, Fotos und Zeichnungen, 24.11.–17.2. (Eröffnung am Sa 24.11., 21 Uhr), Haus am Lützowplatz.

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