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Rosa von Praunheims „Rosas Höllenfahrt“ im Kino

Hieronymus Bosch (1450–1516) malte auf seinen halluzinatorischen Bildern auch Menschen im Fegefeuer. Pfeile ragen aus ihren Hintern. 500 Jahre später betrachtet Rosa von Praunheim seine Gemälde. Der Museumsführer erklärt: Der Pfeil sei ein Symbol für die Sünde der Homosexualität. Schwule, propagierte die christliche Kirche, landen in der Hölle.
Welche Vorstellungen haben Religionsanhänger von der Hölle? Gibt es Sünden und wie werden Sie im Jenseits vergolten? Für seinen Doku-Essay „Rosas Höllenfahrt“ interviewte Rosa von Praunheim Theologen, Imame, Buddhisten, er reiste nach Jerusalem und traf einen Rabbi.
Die Gespräche sind zwar informativ, unterbrochen von szenischen Darstellungen von Höllenvisionen, trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass der ehemalige Messdiener von Praunheim eigentlich einen brisanteren Film hätte drehen können: Mit ihm als schwulen Protagonisten in persönlicher Auseinandersetzung mit der Kirche, die ihn zum Quasi-Todsünder erklärt. Nur selten stellt er persönliche Bezüge her: „In welcher Hölle würde ich landen?“ Doch die Reaktionen („Sie müssen Buße tun“), die von Praunheim von Forschern oder Bi­beltreuen erhält, hätte man gerne noch stärker im Film reflektiert gesehen.

Text: Sassan Niasseri

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Rosas Höllenfahrt“ im Kino in Berlin

Rosas Höllenfahrt, Deutschland 2009; Regie: Rosa von Praunheim; Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 5. November

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