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„The Rover“ von David Michфd

The Rover

Das einsame Outback Australiens, unendliche Highways irgendwann nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch und verwahrloste Menschen, die in schnellen Autos Jagd auf sich machen – irgendwie kommt einem das doch bekannt vor… Und in der Tat unternimmt Regisseur David Michфd nur wenige Anstrengungen, die anfänglichen Parallelitäten zum ersten „Mad Max“-Film mit Mel Gibson zu vertuschen. Auch der von Guy Pierce gespielte Eric ist ein „Lonesome Rider“, wie er im Buche steht und definitiv kein Freund großer Worte. Als dem Mann sein Fahrzeug (der titelgebende „Rover“) gestohlen wird, macht er sich auf die Verfolgung und lässt keinen Zweifel daran, dass er sein Auto wieder haben will. Helfen soll ihm dabei der junge Bruder von einem der Diebe. Rey war nach einem krummen Ding von seinen Komplizen verwundet zurückgelassen worden und weiß als Einziger, wo sich die Gangster aufhalten.
Trotz sehr reduzierter Story schafft es Regisseur Michфd, die Spannung in „The Rover“ auch über die Distanz zu halten. Guy Pierce gibt den harten Mann mit weichem Kern mit einer Wucht, dass man seinem Eric auf keinen Fall irgendwo im australischen Busch begegnen will. Der Mann hat ein Geheimnis und dieses Geheimnis hat mit seinem Fahrzeug zu tun. Und auch, wenn die Auflösung letztlich zumindest kurz zum Nachdenken anregt und sich als gut durchdachtes Puzzleteil in die Frage nach der zuvor deutlich gezeigten Verrohung der Menschheit fügt, der Film krankt leider entscheidend an ganz anderer Stelle.
Nach seinen Erfolgen mit der „Twilight“-Saga ist Robert Pattinson mehr als deutlich bemüht, das Image des Teenie-Schwarms loszuwerden. Die Rolle des leicht minderbemittelten Rey hätte bei diesem Bemühen ein Meilenstein werden können. Doch gerade in den Momenten, in denen der Bruch zwischen dumpfer Brutalität und der Unfähigkeit, vorhandene Gefühle zuzulassen, nuancierte und punktgenaue Schauspielkunst verlangt hätte, rutscht Pattinson derart in Richtung aufgesetzte Schmierenkomödie ab, das man laut „Cut“ schreien möchte. Da hilft dann auch all das Blut, der Dreck und der Drei-Tage-Bart nicht mehr – seine guten Momente hat „The Rover“ definitiv, wenn Pattinson nicht zu sehen ist.

Text: Martin Zeising

Foto: Senator Home Entertainment

The Rover, Australien/USA 2014; Regie: David Michфd, Darsteller: Guy Pearce (Eric), Robert Pattinson (Rey), Scoot McNairy (Henry), 103 Minuten, Deutsch/Englisch, optionale deutsche UT; Extras: Trailer, Featurettes, weitere Filmtipps. Erschienen bei Senator Home Entertainment.

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