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„RubbelDieKatz“ im Kino

RubbelDieKatzEinst gab Dustin Hoffman in „Tootsie“ einen arbeitslosen Schauspieler, dessen Karriere erst in Schwung kommt, als er in Frauenverkleidung schlüpft. Der Trick funktioniert auch für Matthias Schweighöfer in „RubbelDieKatz“. Darin gibt er den Bühnendarsteller Alex, der sich in Berlin durchschlägt, bis er eine lukrative Filmrolle im Drag-Outfit ergattert: als blond bezopftes Mädel in einem pathosgeladenen NS-Historienfilm.

Gefühlswirren ergeben sich auch in Detlev Bucks winterlicher Komödie aus Alex‘ wackeliger Geheimhaltungstaktik in Kombination mit Alexandra Maria Lara als zauberhafter Filmpartnerin. Aus der Grundsituation kann Buck vielerlei ulkige Situationen und Späße um Geschlechterklischees entwickeln; rund um sein „Leading Couple“ knüpft er ein Netz aus spaßigen Charakteren, zu denen Alex‘ einfach gestrickter Brüder-Clan gehört – mit Buck selbst in der Rolle des Leittiers. Im Zentrum aber kann sich Schweighöfer, der seiner reich geschminkten Damenfigur in der Tat eine überzeugende feminine Note einhaucht, in seiner Paraderolle austoben und einmal mehr den leicht verpeilten Blondkopf geben, der von einer emotionalen Bedrängnis in die nächste stolpert. Darauf ist der 30-Jährige nicht erst seit seinem eigenen Regiefilm „What A Man“ abonniert.

So berechenbar wie die Hauptfigur ist auch Lara als weltläufige Aktrice mit treuem Herz, was sich wohl Bucks Zusammenarbeit mit der „Keinohrhasen“-Autorin Anika Decker verdankt. Bucksche Eigenheiten, mit denen „RubbelDieKatz“ vom Vertrauten abweicht, finden sich eher am Rand: so im „Film im Film“-Szenario am Set des pompösen Nazi-Epos. Buck malt die Dreharbeiten spürbar mit Insiderblick aus und spickt das Geschehen mit prägnanten Nebenfiguren wie Milan Peschel als zuckersüßem Kostümmeister. Sobald aber der Film wieder zum romantischen Hauptstrang zurückführt, geht diese originelle Handschrift ein wenig verloren – und mit ihr auch der Sinn für eine gewisse Wahrhaftigkeit in der Milieuzeichnung. Kategorien, die Buck eigentlich nicht fremd sind.            

Text: Ulrike Rechel

Foto: Anne Wilk/Film1/Universal Pictures International/Boje Buck Produktion

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „RubbelDieKatz“ im Kino in Berlin

RubbelDieKatz Deutschland 2011; Regie: Detlev Buck; Darsteller: Matthias Schweighöfer (Alexander Honk), Alexandra Maria Lara (Sarah Voss), Detlev Buck (Jürgen Honk); 113 Minuten; FSK 12

Kinostart: 15. Dezember

Übrigens: Der tip hat eine Liste von Cross-Dressing-Filmen zusammengestellt. Außerdem im aktuellen tip: Regisseur Detlev Buck im Interview.

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