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„Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“ im Kino

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin

Hat man bei „Little Miss Sunshine“ seinerzeit die düsteren Untertöne übersehen oder aber im Lauf von sechs Jahren verdrängt? Das könnte man sich fragen, wenn man den zweiten Film des Ehepaares Valerie Faris und Jonathan Dayton anschaut. „Ruby Sparks“ beginnt wie eine jener klassischen Screwball-Komödien, in denen ein eigenbrötlerischer Wissenschaftler von einem weiblichen Energiebündel in die wirkliche Welt hineingeschubst wird. Calvin Weir-Fields hat mit 19 Jahren sein Romandebüt veröffentlicht und versucht seitdem zu beweisen, dass er keine literarische Eintagsfliege ist. Zehn Jahre später starrt er auf die Tasten seiner Schreibmaschine und wartet auf eine Inspiration.
Die heißt Ruby Sparks. So jedenfalls stellt sich die junge Frau vor, der er im Park begegnet. Sie sieht der Frau, die ihm zuvor in einem Traum erschien und die er daraufhin zur Protagonistin seines Romans auserkor, verblüffend ähnlich. Kurz darauf steht sie in seiner Wohnung und erklärt, sie hätten seit drei Monaten eine Beziehung. Zu seiner Überraschung muss Calvin dann auch noch feststellen, dass Ruby keineswegs eine imaginäre Freundin ist, sondern dass auch andere Menschen sie sehen können. Calvin ist allerdings der Einzige, der die Fähigkeit besitzt, die reale Ruby zu manipulieren: Schließlich ist er ihr Autor. Davon geht ein gefährliches Potenzial aus, das einen Schriftsteller herausfordert, mehr aber noch einen Menschen, der sein plötzliches Glück auf jeden Fall bewahren will – ohne sich dafür anzustrengen.
Ist Calvin ein raffinierter Manipulator, egozentrisch nur auf das eigene Wohlbefinden bedacht? Oder einfach nur jemand, der von der radikalen Umkrempelung seiner Lebensumstände vollkommen überfordert ist? Diese Fragestellung dürfte nach dem Filmbesuch bei Paaren für hitzige Debatten sorgen, der Film lässt es in der Schwebe. Es ist aber genau dies, was Dayton & Faris interessierte, eine Frage, die unterstrichen wird von der Tatsache, dass das Drehbuch von Hauptdarstellerin Zoe Kazan („The Exploding Girl“) stammt, und diese und ihr Filmpartner Paul Dano seit fünf Jahren ein Paar sind. So setzt der Film das Publikum einem Wechselbad der Gefühle aus. Dabei lauert hinter der Komik stets der Abgrund. Genau das macht „Ruby Sparks“ so wahrhaftig.

Text: Frank Arnold

Foto: 2012 Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“ im Kino in Berlin

Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin (Ruby Sparks), USA 2012; Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris; Darsteller: Paul Dano (Calvin Weir-Fields), Zoe Kazan (Ruby Sparks), Antonio Banderas (Mort); 101 Minuten; FSK 6

Kinostart: 29. November

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