Porträt

„Rudolf Thome – Überall Blumen“ im Kino

Ein besinnlicher Film über die Regie-Legende

Rudolf Thome
Foto: peripher Filmverleih

Rudolf Thome ist seit seinen Anfangstagen als  ­Regisseur Mitte der 1960er-Jahre in München ­immer eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Filmlandschaft gewesen. Wenig interessiert an politi­schen Umwälzungen oder sozialen Zustandsbeschreibungen kreisten seine Filme stets um mit viel ­Fantasie inszenierte zwischenmenschliche Beziehungen, tragi­komisch zumeist, wie das Leben und die Liebe eben sind. „Jane ­erschießt John, weil er sie mit Ann betrügt“ hieß einer seiner schönen frühen Kurzfilme – im ­Grunde ­formulierte er damit das Programm für die noch ­folgenden 28 ­langen Filme, auch wenn die Beziehungen darin nicht alle ­tödlich endeten.

Sein bislang letzter Film „Ins Blaue“ erschien 2012; über die Jahre hatte sich die Finanzierung seiner Projekte immer schwieriger gestaltet. Mittlerweile 76 Jahre alt, lebt Thome heute auf einem Bauernhof in Südbrandenburg, wo ihn seine zeitweilige Hauptdarstellerin und frühere Regieassistentin Serpil Turhan seit 2014 für ­ihren ­Dokumentarfilm „Rudolf Thome – Überall Blumen“ ­immer wieder besucht hat. Denn Thome hatte angekündigt, mit einem neuen Drehbuch noch einmal das Geld für einen weiteren Film auftreiben zu wollen, und bei einem Scheitern seine Filmarbeit endgültig einzustellen.
Es ist ein schönes und ungewöhnliches Porträt, das Turhan hier gelungen ist, ein vergleichsweise wenig der Vergangenheit verhafteter Film über das Ende eines Lebensabschnitts. Viel lieber wird hier vorausgeblickt, wenngleich auf eine melancholische Weise – ein wenig so wie in den Filmen von Yasujiro Ozu, wenn die ältere Generation die Zwangsläufigkeit des Lebenszyklus und die Einsamkeit des Alters langsam anerkennen muss. „Braucht man alles nicht mehr“, sagt Thome gleich zu Beginn des Films, als er in seiner Scheune stöbert, die vollgestopft ist mit Kopien seiner Filme in rostigen Dosen, Filmklappen, alten Requisiten und Kostümen.

Klar ist er ein wenig enttäuscht, weil er sich vergessen fühlt. Im Großen und Ganzen aber blickt Thome in die Zukunft, er fühlt sich noch fit, will es mit seinem Projekt „Überall Blumen“ noch einmal wissen: möglicherweise mit einer Finanzierung über Crowdfunding. Und vielleicht kann er auch selbst die Hauptrolle übernehmen, das spart weitere Kosten.
Nebenbei führen hier zwei Filmemacher Diskussio­nen über ein Dilemma des Dokumentarfilms: Ob er denn nun so tun solle, als ob ihm die Anwesenheit der Kamera ­bewusst sei, oder ob er spielen solle, dass er sie nicht bemerke, fragt der Regisseur Thome die Regisseurin Turhan. Sie entgegnet, er solle gar nichts spielen, sondern einfach tun, was er immer täte. „Das geht nicht“, antwortet Thome.

Und dann ist da noch der Alltag auf dem Bauernhof: Thome schnippelt an den Pflanzen herum, reinigt mit ­seinem Sohn den Teich und ärgert sich über den ­Marder, der sich im Dach der schönen Backsteingebäude eingenistet hat. Am Ende ist das Projekt abgeblasen, die Finanzierung gescheitert, Thome fühlt sich erschöpft. Aus „Überall Blumen“ wird nichts. Und doch sind überall Blumen, Rudolf Thome hat sie gepflanzt, im Lauf der Jahreszeiten auf seinem Anwesen in Brandenburg.

Rudolf Thome – Überall Blumen D 2016, 84 Min., R: Serpil Turhan, Start: 15.9.

Bewertungspunkte2

Zum Filmstart zeigt das fsk-Kino am Oranienplatz drei Klassiker aus dem filmischen Schaffen von Rudolf Thome:

Detektive (1969): 15.+16.9., 20 Uhr, 18.9., 13.45 Uhr

Rote Sonne (1970): 17., 18.+19.9., 20 Uhr

Berlin Chamissoplatz (1980): 18.9., 15.45 Uhr, 20.+21.9, 20 Uhr

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