Tragikomödie

„Rückenwind von vorne“ im Kino

Der Lebensplan: Die junge Berliner Lehrerin Charlie verspürt ungewohnten ­“Rückenwind von vorne“

Darling Berlin/ Von Oma gefördert

Ups, he did it again. Zum dritten Mal, nach ­„Liebe mich!“ (2014) und „Luca tanzt leise“ (2016) hat der Tempelhofer Philipp Eichholtz eine junge Frau ins Zentrum seines filmischen Geschehens gehievt, zum dritten Mal für die Hauptrolle eine charismatische Schauspielerin gefunden, und zum dritten Mal mit nur losem Skript fleißig improvisieren lassen.
Victoria Schulz (gefeiert für „Dora oder die ­sexuellen Neurosen unserer Eltern“, Foto, li.) ist Charlie, Mitte 20, Lehrerin, fest liiert mit Marco ­(Aleksandar Radenković). Und gerade das macht ihr Angst, dieses Festgefahrene und die Vorstellung, bis zur Rente zu unterrichten, ­Kinder mit Marco zu zeugen – und dann ist das Leben plötzlich vorbei. Mit Marco kann sie ­darüber nicht reden, dann schon eher mit ­ihrem Kollegen Gerry (Daniel Zillmann, re.). Richtig schwierig wird es, als Marco im Bad ­Charlies Antibabypillen entdeckt und ihre ­geliebte Oma (Angelika Waller) erkrankt.

Indem er seinen Schauspielern möglichst viele Freiheiten lässt, holt Eichholtz offensichtlich ganz spielerisch das Optimale aus ihnen ­heraus; erneut besticht sein Film durch eine Natürlichkeit, nach der sich so mancher am Drehbuch klebende Filmemacher sehnt. Inszenatorisch geht Eichholtz hier nun neue Wege: Immer wieder driften Bild und Ton auseinander, immer wieder wagt er luftigleichte Montage­sequenzen.

Eichholtz ist mit seinen Protagonistinnen ­erwachsener geworden, er zeigt eine größere Souveränität im Umgang mit den filmischen Mitteln, was aber auch ein wenig auf Kosten ­dieser gewissen Leichtigkeit geht, die die Vorgängerfilme so besonders machte. Nachdem ­„Rückenwind von vorne“ gerade die Sektion Perspektive deutsches Kino der Berlinale ­eröffnet hat, wird dem Filmemacher nun hoffent­lich jene Aufmerksamkeit zuteil, die er längst verdient hat.

Rückenwind von vorne D 2018, 80 Min., R: Philipp Eichholtz, D: ­Victoria Schulz, ­Aleksandar Radenković, Daniel Zillmann, ­Angelika Waller, Start: 15.3.

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