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Berlinale 2017

„Rückkehr nach Montauk“ im Wettbewerb der Berlinale

Schriftsteller stehen oft im Verdacht, sie hätten nichts anderes zu erzählen als ihr eigenes Leben. Gleichzeitig ist dieses Leben ein Gegenstand großer Neugierde. So beginnt ein Versteckspiel, das im Idealfall große Literatur, manchmal aber auch nur eitle Selbstbespiegelung ist.

© Franziska Strauss

Im Falle von Max Frischs Liebesgeschichte „Montauk“ kann man die Frage getrost offen lassen, in welche Kategorie sie fällt. Was allerdings Volker Schlöndorffs sehr freie Bearbeitung „Rückkehr nach Montauk“ anlangt, kann es wenig Vertun geben: Es handelt sich um so ziemlich das schlimmste Beispiel einer öden Männerliteratenmythologie mit eingebauter Tiefsinnsgarantie, das seit langem irgendwo zu sehen war.

Das beginnt schon mit dem „Trick“, den Schlöndorff an den Anfang setzt: Ein Mann (Stellan Skarsgard spielt Max Zorn) spricht direkt in die Kamera. Wir sind das Publikum dieser Lesung, allerdings erweist sich dieser programmatische Auftakt in einem anderen Sinn als zutreffend, als es dem Regisseur lieb sein kann. „Return to Montauk“ wird nämlich in keiner Sekunde ein Film, es bleibt durch und durch ein Konstrukt schlechter Literatur, in der jeder Satz unter dem Gewicht seiner prätendierten Behauptung so in den Sand gesetzt wird, wie das Rebecca (Nina Hoss) an einer Stelle mit einem produktplatzierten Geländewagen tut.

Der alternde Dichter und die verhärtete Schönheit bilden ein Paar, von dem nicht einmal in Ansätzen zu ahnen ist, was sie einst verbunden haben könnte. „Return to Montauk“ fehlt es an allem, vor allem aber an Leben. Bert Rebhandl

Rückkehr nach Montauk D/F/IRL 2017, 106 Min., R: Volker Schlöndorff, D: Stellan Skarsgard, Nina Hoss, Susanne Wolff

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