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2 große Sommer-Blockbuster

„Mission Impossible! – Fallout“ und „Ant-Man and the Wasp“ im Kino

Mit „Mission: Impossible! – Fallout“ und ­“Ant-Man and the Wasp“ kommen zwei große Sommer-Blockbuster in die hiesigen Lichtspieltheater. Ein Blick auf die Geheimnisse des Formel-Kinos

Foto: marvel Studios

Dem Geheimnis ewiger Jugend ist vermutlich bisher niemand näher gekommen als Tom Cruise. Das kann man sehr schön an den sechs Filmen aus der Reihe „Mission: Impossible!“ sehen, in denen er gespielt hat. 1996 trat er zum ersten Mal in der Rolle des Agenten Ethan Hunt auf und prägte damals eine Formel für das künftige Actionkino: spektakuläre Schauplätze, rasante Choreographien und im Mittelpunkt eben dieser unverwüstliche Junge, der er nun auch im Alter von 56 Jahren immer noch ist.
Im aktuellen „Mission: Impossible! – Fallout“ hängt er wie gewohnt von fliegenden Hubschraubern und fingernagelschmalen Felskanten, und er schafft es dabei natürlich, in letzter Minute eine atomare Explosion zu verhindern. „War es knapp?“, fragt ihn jemand aus seinem Team nach getaner Tat. „Wie üblich“, antwortet Hunt, und setzt dabei das lockerste Grinsen auf, zu dem Tom Cruise in der Lage ist.
„Wie üblich.“ In dieser lockeren Bemerkung steckt eine tiefere Wahrheit über das populäre amerikanische Kino, das sich stärker denn je mit Geschichten behilft, in denen viel Vertrautes mit wenig Neuem zusammenkommt. Viele Jahre schon mokieren sich die Kritiker Hollywoods darüber, dass so viel Geld in Fortsetzungen und Remakes geht. Dabei schreiben natürlich auch diese Reihen ihre eigenen Geschichten.
In dieser Woche kommen in Deutschland zwei Filme ins Kino, die jeder auf seine Weise etwas Spannendes über den aktuellen Stand des Blockbusterkinos verraten. „Mission: Impossible! – Fallout“ gewinnt der ewigen Wiederkehr des Gleichen überraschend spannende Facetten ab. Und der Marvel-Superheldenfilm „Ant-Man and the Wasp“ zeigt, dass man in einer Welt ausufernder Spezialeffekte mit ein bisschen komischer Erleichterung immer noch ziemlich weit kommt. Außerdem hilft auch in diesem Fall ein Schauspieler mit Jungbrunnen-Syndrom: Paul Rudd wird demnächst 50, man hält ihn aber gern für 30.
Pointierte Ideen
Die verschmitzte Lockerheit, die Rudd aus Komödien wie „Woher weißt du, dass es Liebe ist?“ in das Superheldengenre mitgebracht hat, musste Tom Cruise sich erst allmählich erarbeiten. Bei den „Mission: Impossible!“-Filmen war er von Beginn an auch Produzent, und das bedeutete, dass er sich die Regisseure aussuchen konnte – und dass jede Fortsetzung vor allem auch sein eigenes Image auf eine neue Stufe heben sollte: der ewig gleiche Tom Cruise als jedes Mal doch auch irgendwie runderneuerte Ikone.

Foto: Paramount Pictures

Mit dem Regisseur Christopher McQuarrie hat er nun einen kongenialen Partner gefunden. „Mission: Impossible! – Fallout“ ist ein nahezu perfekter Actionfilm. Das beginnt mit einem atemberaubend gefilmten Fallschirmabsprung, setzt sich über einen hochkomischen Fight in einer Hochglanztoilette zu einer Laufeinheit über den Dächern von London fort und endet in den Bergen von Kaschmir mit einer fast schon melodramatischen Pointe.
McQuarrie, der auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, kommt nie in die Versuchung, die Formelhaftigkeit von „Mission: Impossible!“ ironisch zu brechen, er nimmt jede Szene ernst und lässt sich für jede Ebene der Aufgabe etwas Pointiertes einfallen.
Die Konzentration auf einen Star ist in den Blockbuster-Kalkulationen in Hollywood scheinbar die einfachste Übung. Sie geht aber selten wirklich auf, das kann man aktuell zum Beispiel in „Skyscraper“ mit Dwayne Johnson sehen. Tom Cruise wurde lange als eindimensional und als leerer Strahlemann verachtet. Inzwischen aber ist deutlich klar geworden, dass er sehr genau weiß, was er mit seinen Starqualitäten machen kann. Und er versammelt jede Menge Talent um sich: So hat auch bei „Mission: Impossible!“ der allgegenwärtige J.J. Abrams seine Hände im Spiel.
Marke auf Vordermann gebracht
Cruise tritt mit „Mission Impossible“ inzwischen auch fast schon im Alleingang gegen die dominierende Kinomythologie der Gegenwart an: Das Marvel-Universum hat zuletzt nicht von ungefähr auf Teamwork und große Heldenkollektive gesetzt. Das passt in eine Zeit, in der das männliche Individuum, das alles in Ordnung bringt wie ein Heimwerker der Weltlage, längst als konservatives Konzept durchschaut ist. Die Marvel-Filme lernen auch ständig von den Rändern her dazu: „Black Panther“ ist (neben dem Hit „Wonder Woman“ aus dem parallelen DC-Comic-Kosmos) das prominenteste Beispiel für eine Differenzierung in der Starpolitik und in den Zielgruppenlogiken.
Im Vergleich zu diesem prägenden Erfolg hat die Nebenserie um den „Ant-Man“ im Grunde nur die Aufgabe, mit ein bisschen Zerstreuung für Kasse zu sorgen. Der Ameisen-Mann, der seine Größe beliebig verändern kann (wenn der entsprechende Knopf nicht gerade streikt), ist auf jeden Fall einer der ironischen Superhelden – ein gestresster Teilzeitvater, der teilweise im Mikrokosmos lebt, und dann wieder als überdimensionaler „Giant-Man“ blöd in der Bucht von San Francisco herumsteht. Seine Schrumpfkur geht manchmal in die falsche Richtung los. In „Ant-Man and the Wasp“ spielt das Superheldengenre mit sich selbst, es dreht in aller Öffentlichkeit an den Reglern, und amüsiert sich köstlich darüber, dass bei dem ganzen Zinnober nie etwas wirklich kaputt geht.
Bei Tom Cruise ist das anders: In seinen Filmen muss die Welt auf dem Spiel stehen, und die dabei gesuchte Geheimformel zielt darauf, wie man das Publikum mit diesem Schema immer wieder gewinnen kann. Offensichtlich hat Cruise begriffen, dass seine eigene ewige Jugend als Spezialeffekt nicht reicht. Mit „Mission: Impossible! – Fallout“ hat er eine ganze Marke auf Vordermann gebracht. Sie sieht aus wie immer und strahlt doch wie neu.

Mission: Impossible! – Fallout USA 2018, 148 Min., R: Christopher McQuarrie, D: Tom Cruise, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Michelle Monaghan, Henry Cavill, Start: 2.8.

Ant-Man and the Wasp USA 2018, 125 Min., R: Peyton Reed, D: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Michael Peña, Start: 26.7.

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