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Russell Crowe über Kompomisslosigkeit und sein Image als Bad Boy

russell_crowetip „State of Play“ ist die Kinover­sion einer hoch gelobten sechsstündigen BBC-Serie. Wofür brauch­­te es da noch einen Film?

Russell Crowe Man kann weder die beiden Medien noch die beiden Arbeiten miteinander vergleichen, die finden ein ganz anderes Publikum. Kino ist eine Kunstform, die dramaturgisch mehr verdichten muss, als es in einer Fernsehminiserie möglich ist, und dadurch können, nein, müssen völlig neue Blickwinkel und Erzählstränge entstehen. Weil sonst: What’s the fucking point in doing it again? Abgesehen davon kennt die Serie außerhalb Englands kaum jemand. Und als das Skript in meine Hände gefallen ist, nachdem Brad Pitt kurzfristig als Hauptdarsteller abgesprungen ist, hatte es alle Zutaten, die ich für eine Zusage brauche.

tip Die da wären?

Crowe Kevin McDonald als Regisseur, dessen Talent man nach „Sturz ins Leere“ und „Der letzte König von Schottland“ unmöglich ignorieren kann. Eine reizvolle Rolle, die mir die Chance geboten hat, einen investigativen Journalisten nicht wie üblich als heldenhafte, sondern als fehlerbehaftete und zweifelnde Figur zu spielen. Und viele Themen, die mich interessieren: Die schmutzigen Deals im Rahmen der fortschreitenden Privatisierung von Kriegen, über die meine Zeitung im Film berichtet. Der Mythos von Objektivität im Journalismus, der ja immer auch von Leuten mit eigener Agenda gemacht wird, mögen sie auch noch so ehrenhaft sein. Oder der Konflikt zwischen Loyalität und professionellen Pflichten, wenn Ben Affleck als Politiker und bester Freund meiner Figur in eine Mord­ermittlung verwickelt wird. Für einen Thriller, den man noch dazu mit Popcorn genießen kann, ist das eine ganze Menge.

tip Sind Sie froh oder bereuen Sie es ein wenig, Baz Luhrmanns „Aus­tralia“ nicht gedreht zu haben? Zwei Jahre lang waren sie dafür schließlich als Hauptdarsteller eingeplant.

Crowe Ich mag Baz wirklich, er ist einer meiner liebsten Menschen, nicht nur in der australischen Filmindus­trie. Aber das Drehbuch, für das ich ursprünglich angeheuert hatte und das eine der wunderbarsten Storys enthielt, die ich seit Jahren gelesen habe, wurde umgeschrieben, immer wieder umgeschrieben. Ich habe nicht verstanden, woher diese Veränderungen kamen, und an einem gewissen Punkt hat sich dann meine Haltung verändert. Dann zog sich die Vorproduktion hin, und ich hätte meine letzten vier Filme, von „Todeszug nach Yuma“ bis „State of Play“, nicht drehen können, wenn ich weiter gewartet hätte. So geht das nicht. Ich bin ein gradliniger Mann. Sieh mir in die Augen und schüttel meine Hand – aber dann erwarte ich auch, dass du deinen Teil der Abmachung einhältst.

russel_crowetip Sie drehen derzeit „Robin Hood“ mit Ridley Scott. Das ist Ihr fünfter gemeinsamer Film – nach „Gladiator“, „Ein gutes Jahr“, „Ame­rican Gangster“ und „Der Mann, der niemals lebte“. Was zeichnet Ihre Zusam­men­arbeit aus?

Crowe Wir verstehen uns so gut, dass wir quer durch den Raum dis­kutieren können, ohne dass einer von uns auch nur ein Wort sagt. Das kann andere Schauspieler schon ein bisschen wahnsinnig machen – wie neulich Leonardo DiCaprio bei „Der Mann, der niemals lebte“ (lacht). Aber für Ridley würde ich in ein brennendes Gebäude laufen, so sehr vertraue ich ihm. Jede Diskussion ist produktiv, wir haben einen ähnlichen Geschmack und respektieren beide das Medium Film in einem Maß, wie es das leider nicht allzu oft in dieser Branche gibt.

tip Und bei einem Flop wie „Ein gutes Jahr“ …

Crowe Lassen Sie mich da gleich unterbrechen, denn Sie haben Ihre Fakten nicht beisammen. „Ein gutes Jahr“ hat vielleicht die Kritiker nicht beglückt, aber abgesehen von der Rentabilität der Produktion kommen bis heute Männer auf mich zu, die von dieser Geschichte zutiefst gerührt waren. Es kann ja nicht immer das Ziel sein, Kassenrekorde zu brechen oder Preise zu gewinnen, verstehen Sie? Ich habe nur ein einziges Entscheidungskriterium für Rollen: Wenn ich das Skript lese und dabei eine Gänsehaut bekomme, wenn das Material meinen Nerv trifft, dann bin ich dabei. Komme, was wolle. In dem Sommer, in dem wir „State of Play“ gedreht haben, wollte ich eigentlich in den wohlverdienten Urlaub fahren. Aber dann kam dieses Dreh­buch – und ich sehe es als meine Pflicht gegenüber dem Beruf an, auf solche direkten Impulse zu reagieren.

tip Sie stellen nicht nur hohe Ansprüche an sich selbst, sondern waren in der Vergangenheit auch nie zimperlich mit Kritik an Kollegen.

Crowe Deshalb wende ich inzwischen einen feinen Trick an, den ich von Richard Harris bei „Gladiator“ gelernt hab. Um potentielle Leinwandpartner besser einschätzen zu können, hat er sie bei Meetings betrunken gemacht. Damit hat er herausgefunden, ob er sie genug mag, um später mit ihnen arbeiten zu können. Funktioniert immer. Mein „American Gangster“-Partner Denzel Wa­shington und ich verdanken unsere Leinwandchemie nicht zuletzt einer Flasche Cognac, die wir vor vielen Jahren am Set von „Virtuosity“ geleert haben. Das verbindet (lacht).

tip Wegen Ihres Temperaments hatten Sie gelegentlich Ärger mit der Polizei. Wurmt Sie Ihr Bad- Boy-Image?

Crowe Juckt mich nicht. Solche Sorgen gehören nicht einmal auf die Liste der 500 wichtigsten Dinge in meinem Leben …

Das gesamte Interview des tip-Autoren Roland Huschke lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 13/09

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