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Russell Crowe in „State of Play“

State of PlayMit seinen schulterlangen Haaren und dem braunen Cordjackett wirkt Cal McAffrey wie ein Mann aus einer anderen Zeit. Das ist er auch, denn als klassischer Zeitungsjournalist muss er heutzutage mit karrierebewussten Bloggern konkurrieren. Und von denen versprechen sich die neuen Verlagseigentümer, die selbst altehrwürdige Traditionshäuser in Heuschreckenmanier übernehmen, die schnellen Profite. So wie Russell Crowe hier aussieht, könnte er geradewegs aus einem Film der 70er Jahre stammen. Auch deshalb kann man „State of Play“ als eine Hommage an „Die Unbestechlichen“ sehen, den Film über die Watergate-Enthüller Bob Woodward und Carl Bernstein. Hier wie dort wird ein Loblied auf den investigativen Journalismus angestimmt.
„State of Play“ ist das Remake des britischen TV-Mehrteilers aus dem Jahre 2003 (der als „Mord auf Seite eins“ letztes Jahr auf Arte lief). In der Kinoversion ist der Schauplatz von London nach Wa­shington D.C. verlegt. Am Anfang stehen ein ermordeter Mann, ein Zeuge im Koma und ein verdächtiger Selbstmord. Aus der schrittweisen Enthüllung der Zusammenhänge bezieht der Film seine Spannung. Denn längst ist nicht alles so eindeutig, wie es zuerst scheint, immer wieder gibt es Überraschungen, ein Komplott zeichnet sich langsam ab. Von den meisten Politthrillern unterscheidet sich „State of Play“ jedoch durch sein Interesse an den Figuren, die hier mehr sein dürfen als Rädchen im Getriebe der Enthüllungen.

State_of_playDas gilt etwa für Helen Mirren als Chefredakteurin und besonders für den von Jason Bateman verkörperten PR-Berater am Rande des Nervenzusammenbruchs. Auch Russell Crowes Journalist steht schließlich vor einem privaten Scherben-
haufen. Beruflich allerdings hat er seinen Frieden gemacht mit der jungen Bloggerin (Rachel McAdams). Unter den entscheidenden Artikel, den er gerade verfasst hat, setzt er zuerst ihren und dann seinen Namen.
Auch wenn man berücksichtigt, dass Journalisten „State of Play“ wegen seiner Thematik höher einschätzen mögen als andere Kinogänger, ist der viel gelobte Film von Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland“) ein grundsolider Thriller. Mit seiner unaufgeregten Erzählweise ist er zwischen all den Sommerblockbustern mit ihren Superhelden genauso ein Relikt wie sein Oldschool-Reporter.

Text: Frank Arnold

(tip-Bewertung: Sehenswert)

State of Play
USA 2009; Regie: Kevin Macdonald;
Darsteller: Russell Crowe (Cal McAffrey), Ben Affleck (Stephen Collins),
Rachel McAdams (Della Frye); Farbe, 127 Minuten; Kinostart: 18. Juni

INTERVIEW MIT RUSSELL CROWE

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