Dokumentarfilm

„Sacco & Vanzetti“ im Kino

Unschuldig hingerichtet: Sacco & Vanzetti

Foto: First Run Features / Sabcat Media

Der Prozess war eine Farce. Das einzige, das am Ende zweifelsfrei feststand, war die Tatsache, dass Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti italienische Migranten und Anarchisten waren. Doch das reichte in den USA der 1920er aus, sie zum Tode zu verurteilen.

Was Peter Miller in seinem Film dokumentiert, ist haarsträubend: Im April 1920 wurden bei einem Raubüberfall in South Braintree, Massachusetts, zwei Männer ermordet, auf dubiose Weise gerieten die Anarchisten Sacco und Vanzetti ins Visier der Ermittler. Alibis und ­entlastende Aussagen wurden ­ignoriert, widersprüchliche Zeugenaussagen zurechtgebogen, Beweisstücke manipuliert, Expertisen umgedeutet. Und weil sie vor dem Kriegsdienst geflüchtet waren, lautete ein zentraler Anklagepunkt: fehlender Patriotismus. Auch als nach der Verurteilung neue Beweise und sogar ein Geständnis auftauchten, hatte das keine Folgen. Sacco und Vanzetti wurden im ­August 1927 hingerichtet.

Millers Dokumentarfilm besticht nicht in erster Linie durch filmische Besonderheiten oder neue Enthüllungen, sondern durch die akribische Aufarbeitung eines Justizskandals. Die schlichten Fakten machen den Fall – und den Film – so beklemmend.

Sacco & Vanzetti USA 2006, 81 Min., R: Peter Miller, Start: 24.8.

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