Dokumentarfilm

„Safari“ im Kino

Empathie ausgeschlossen: Ulrich Seidl blickt erneut dahin, wo es besonders weh tut und beobachtet Deutsche und Österreicher bei der Großwildjagd

Foto: Neue Visionen Filmverleih
Foto: Neue Visionen Filmverleih

Mit den Filmen von Ulrich Seidl umzugehen, ist nicht ganz einfach. Den ­einen gilt er als Regisseur, der nur um der Provokation willen provoziert, den ­anderen als scharfsinniger Gesellschaftskritiker, der in seinen Filmen in die Abgründe der menschlichen – und spezifisch der österreichischen – Seele blickt. Klar ist, dass Seidl stets dem Ungemütlichen auf der Spur ist, und zwar insbesondere dort, wo es sich ­besonders normal und heimelig gibt.
Rassismus, Sexismus und fanatische ­Religiosität gehören zu seinen immer wieder aufgegriffenen Themen, wobei seine Spiel­filme immer auch den Anschein des Dokumentarischen besitzen und die Dokumentarfilme eine deutliche Inszenierung erkennen lassen. Seidls Blick bleibt dabei immer distanziert, und das besonders ­Unappetitliche wird gern besonders ästhetisch in sorg­fältig angeordnete, symmetrische Tableaus verpackt. Ob die Leute, die in Seidls Film so willfährig mitwirken/spielen, immer wissen, welchen Eindruck sie hinterlassen, darf man allerdings bezweifeln.

Blickte Seidels vorangegangener Dokumentarfilm „Im Keller“ auf eine kleinbürgerliche Welt, so befasst sich „Safari“ nun mit einem eher großbürgerlichen, ziemlich exklusiven Hobby: der Großwildjagd.
Die Zahl der Protagonisten in „Safari“ ist überschaubar: Neben einem schon aus „Im Keller“ bekannten Ehepaar gibt es da vor ­allem den misanthropischen Besitzer der Lodge sowie eine vierköpfige österreichische Familie mit Mutter, Vater, Tochter und Sohn. Allesamt Jäger und schwer begeistert von der Idee, in Afrika zum eigenen Vergnügen große Tiere zu töten. Wenn sie von ihrem Hobby ­erzählen, von Seidl immer schön symmetrisch zwischen gewaltigen Jagdtrophäen platziert, dann geht es nicht um moralische Rechtfertigung, sondern um die Erregung, die die Jagd in ihnen auslöst, sowie um ­Technik: Kalibergrößen und der Stolz, das Wild waid­gerecht zur Strecke gebracht zu haben, ­werden da in jener Jäger-Fachsprache beredet, die grundsätzlich jede Empathie ausschließt. Eher noch würden diese Leute das Tier dazu beglückwünschen, dass es sich so schön hat erschießen lassen.

Wie so eine Jagd im Detail aussieht, zeigt Seidl in den zentralen Szenen von „Safari“, die auch die am wenigsten inszenierten sind: Professionelle Jäger führen die Jagdtouristen an das Wild heran, dann dürfen diese schießen (das können sie übrigens alle sehr gut), sich anschließend freuen und Fotos von ihren Trophäen machen. In allen unerfreulichen Details wird dies am Beispiel der Jagd auf eine majestätische Giraffe durchgespielt, inklusive des Abtransports, der Häutung und Ausweidung, die von den schwarzen Hilfskräften vorgenommen wird, von denen der natürlich weiße Lodge-Besitzer behauptet hat, sie würden wegen der Arbeitsplätze von diesem Jagdunternehmen nur profitieren.

Wie Seidl sie zeigt, bleibt ihnen allerdings nur die Drecksarbeit und das fragwürdige ­Privileg, auf den Resten der erlegten Tiere ­herumkauen zu dürfen. Rassismus pur. Das letzte Wort im Film hat der Lodge-Besitzer, der sein Geschäft schließlich mit denk­würdigem Zynismus rechtfertigt: Im ­Grunde sei das doch alles egal, denn das Raubtier Mensch werde die Welt sowieso zugrunde richten. Dass Ulrich Seidl einen Film ­darüber gemacht hat, bedeutet wohl, dass es ihm ­zumindest nicht egal ist.

Safari A 2016, 91 Min., R: Ulrich Seidl, Start: 8.12.

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