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Neu im Kino: Die erfrischende Komödie „Salami Aleikum“

Wir fahren in die DDR.“ Davon ist Vater Taheri (Michael Niava­rani) auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer noch überzeugt. Und weil man aus dieser Gegend ja nur selten etwas Gutes vernimmt, packt er vor der Reise in den Osten vorsichtshalber den Baseballschläger ein. Man kann ja nie wissen.
Ein etwas prahlerischer exilira­nischer Metzger aus Köln und sein naiver schlachtunwilliger Sohn Mohsen (Navid Akhavan), die ostdeutsche Ex-Kugelstoßerin Ana (Anna Böger) mit dem weichen Herzen sowie ihr Vater (Wolfgang Stumph), der davon träumt, die Textilindustrie im fiktiven Provinzkaff Oberniederwalde wieder flottzumachen: Das sind die Figuren, die Regisseur Ali Samadi Ahadi in seiner Komödie „Salami Aleikum“ aufeinanderprallen lässt. Was die Perser aus dem Westen und die Ex-DDRler aus dem Osten miteinander verbindet, ist allen gegenseitigen Vorurteilen zum Trotz dann nicht nur die Vergangenheitsseligkeit der Väter, sondern auch die in die Zukunft weisende märchenhafte Liebesgeschichte zwischen Mohsen und Ana, die sich von gewissen Unterschieden in der Körpergröße nicht schrecken lassen. Dazu kommen noch ein paar abgemagerte Schafe aus Polen, Gesangs- und Tanzeinlagen im Bollywoodstil, Ani­mationssequenzen, die von inneren Befindlichkeiten künden, sowie eine kleine Lüge und viele große Missverständnisse, die sich geradezu zwangsläufig ergeben, weil jeder im jeweils anderen nur das sieht, was er sehen möchte. So wird der Sohn des Schlachters schnell zum vermeintlichen Erben eines Textilimperiums.
Salami Aleikum“ kommt als ein satirisch überhöhtes und dabei ziemlich vergnügliches Spiel mit Klischees und Vorurteilen daher, bei dem man sich auch selbst immer mal wieder ertappt vorkommt: ein in seiner Verspieltheit und undidaktischen Leichtigkeit ziemlich singuläres Werk im aktuellen deutschen Kino. Konkrete Vorbilder hätten sie beim Schreiben und Drehen nicht gehabt, sagt der freundliche und sympathische Ali Samadi im Gespräch: „Es gibt eigentlich keine Referenz für das, was wir gemacht haben. Das bringt Schwierigkeiten mit sich, weil man nicht sagen kann: So funktioniert dies, so funktioniert jenes. Aber es ist auch schön, dass man ganz frei und unbefangen mit dem Material umgehen kann.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen tip 16/09 auf den Seiten 40-41.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert 2

Orte und Zeiten: „Salami Aleikum“ im Kino in Berlin

Salami Aleikum, Deutschland 2009; Regie: Ali Samadi Ahadi; Darsteller: Navid Akhavan (Mohsen), Anna Böger (Ana), Michael Niavarani (Vater Taheri); Farbe, 102 Minuten

Kinostart: 23. Juli

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