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„Same Same But Different“ von Detlev Buck im Kino

Die Neuigkeit trifft hart und direkt. „I have Aids“, sagt die junge Kambodschanerin Sreykeo beim Chat mit ihrem deutschen Freund Ben. „See you in next life“, fügt sie noch hinzu, und dann schließt sich auf dem Monitor das Webcam-Fenster. Eine ähnliche Szene hat Benjamin Prüfer vor ein paar Jahren tatsächlich erlebt. Das Ende seiner großen Liebe zu der Frau, die er auf einem Backpacker-Trip 2003 in Kambodscha kennengelernt hatte, markierte das jedoch nicht. Der junge Journalist hielt unbeirrt daran fest. Prüfer lebt heute mit seiner Frau Sreykeo und zwei Kindern in Hamburg und Phnom Penh. Seine Erfahrungen in der bewegten Beziehung verarbeitete er in dem Buch „Wohin du auch gehst„.
Same Same But Different„, der Titel von Detlev Bucks Adaption, bezieht sich auf ein thailändisches Sprichwort: Dasselbe mal anders. Das lässt sich hier nicht nur auf Ben beziehen. Er verhält sich anders zu Sreykeo als all die durchreisenden Männer, mit denen sie sonst Nacht für Nacht zu tun hat, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Das Motto trifft aber auch auf Bucks Inszenierung dieser Geschichte zu. In der Nüchternheit (und dem gelegentlichen lakonischen Humor) kann man durchaus noch den Buck erkennen, der im norddeutschen Heimatflachland mit Komödien wie „Karniggels“ begann, bevor er geografisch und genretechnisch seinen Radius erweiterte. Der Abstand zwischen dem bullerbühafter Kinderfilmausflug „Hände weg von Mississippi“ (2007) und „Knallhart“ (2005), seinem Neukölln-Thriller über Jugendgewalt mit der Ent­deckung David Kross, ist gewaltig.
Der nun gerade mal 19-jährige Kross, der sich im vergangenen Jahr schauspielerisch neben Kate Winslet in „Der Vorleser“ mehr als passabel schlug, ist gemeinsam mit seiner Filmpartnerin Apinya Sakuljaroensuk als Sreykeo eine ideale Besetzung. Mit neugierigem Blick stürzt sich Ben zunächst in seinen Kambodscha-Trip und absorbiert sichtlich das Backpacker-Freiheitsgefühl, bevor er später sein Ziel mit einer Mischung aus Bedingungslosigkeit, Naivität und Pragmatik verfolgt. Sreykeos All­tags- und Armutsverhältnis­se werden von Buck nicht ausgespart. Es ist aber doch vor allem Bens westliche Perspektive, die der Film einnimmt, um die Bedingungen und Widerstände zu zeigen, auf die eine solche Beziehung im Wohlstandsgefälle der globalisierten Welt trifft. Man sieht Ben immer wieder, wie er hilft, Geld schickt, Medikamente kauft, also für die Liebe Verantwortung übernehmen muss. Wirklich tiefer reflektiert wird das jedoch kaum, ebenso wenig wie Sreykeos Sichtweise oder die möglichen kulturellen Differenzen.
Anderen Fallen, die solch ein Stoff bereithält, weicht Buck hingegen mit seiner Herangehensweise aus. Er vermeidet es, die Geschichte zur tränenreichen Aids-Tragödie auszuweiten und arbeitet ohne Romantikkitsch oder Fototapeten-Exotismus. Allerdings beeinflusst dieses Herunterköcheln der Emo­tionen auch die Spannung des Films. Es gibt Momente, in denen jenseits aller Fürsorge auch die Nähe und Verliebtheit zwischen Ben und Sreykeo in sehr zärtlichen Bildern spürbar wird. Aber die Sprengkraft der ganz großen Gefühle lässt „Same Same But Different“ so gut wie gar nicht spüren.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Same Same But Different“ im Kino in Berlin

Same Same But Different, Deutschland 2009; Regie: Detlev Buck; Darsteller: David Kross (Ben), Apinya Sakuljaroensuk (Sreykeo), Jens Harzer (Henry); Farbe, 100 Minuten

Kinostart: 21. Januar

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