Coming of Age

„Sandstern“ im Kino

25 Jahre nach „Langer Gang“ kehrt Yilmaz Arslan noch einmal in seine Jugendzeit zurück

Camino Filmverleih

Sein Erstling, das in einem Wohnheim für Körperbehinderte angesiedelte Beziehungsdrama „Langer Gang“, wurde viel beachtet. Ein Vierteljahrhundert später hat Yilmaz Arslan (Jahrgang 1968) aus Figuren, die es nicht in die Endfassung jenes Streifens geschafft hatten, den Protagonisten seines vierten Films geformt, den er „ein Konglomerat aus dem Erfahrenen und völlig neu Erzähltem“ nennt: 1980, als er zwölf ist, holen Oktays Eltern ihn aus der Türkei nach Deutschland, wo sie schon seit einiger Zeit leben. Bei der schwierigen Eingewöhnung in die fremde Umgebung helfen dem Einzelkind eine italienische Mitschülerin und eine ostpreußische Nachbarin, die ihm auch die regelmäßigen Infusionen gibt, nachdem bei ihm die Bluterkrankheit festgestellt worden ist. Doch die Ehe der Eltern kriselt, seine extravagante Mutter geht mit einem dunkelhäutigen Amerikaner fremd und dealt mit Drogen.

Nach etwa der Hälfte des Films zerbricht Oktays neue Welt und er kommt in ein Heim für Körperbehinderte, von denen viele sehr viel stärker physisch beeinträchtigt sind als er. Auch hier geschieht noch manches.

Und eben daran krankt der Film: Durch die Fülle von Themen und Ereignissen kann vieles nur angerissen und letztlich (zu) oberflächlich behandelt werden. Auch welche Rolle diese Dinge für die Entwicklung des Protagonisten spielen, wird nur bedingt deutlich. So bleibt „Sandstern“ eine Aneinanderreihung mal berührender, mal belustigender Momente. Jan Gympel

Sandstern D/L/B 2017, 88 Min., R: Yilmaz Arslan, D: Roland Kagan Sommer, Taies Farzan, Hilmi Sözer, Katharina Thalbach, Erdal Yildiz, Start: 29.11.

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