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Santigold: Master Of My Make-Believe

Santigold: Master Of My Make-BelieveBeim letzten Berlin-Festival wollten alle sie sehen, aber dann musste der Auftritt abgebrochen werden. Der Sound stimmte nicht. Es war nicht das einzige Malheur, mit dem sich Santi White in den letzten vier Jahren herumschlagen musste. Der Nachfolger von „Santogold“ kam und kam nicht. Die Sängerin spürte den Druck und litt unter einer Schreibblockade. Angeblich kam sie bei der Ausübung von Ex­tremsportarten vor der Küste Jamaikas wieder auf Gedanken. Aber leider haben die nicht im gewünschten Maße geholfen: „Master Of My Make-Believe“ enttäuscht.
Enttäuscht, weil man trotz der langen Zeit natürlich noch immer ihr mit Eingebungen und Energieschüben vollgepacktes Debüt im Ohr hat. Dieses Mal fehlen die Songs, für die man alles tun würde. Kein geniales New-Wave-Update wie „L.E.S. Artistes“, kein Partygarant wie „Say Aha“ mehr.
Eine Ursache liegt in der Auswahl der Produzenten. John Hill, Diplo und Switch sind auch dieses Mal dabei, dazu kommen die Vielarbeiter David Sitek und Greg Kurstin. An den Stil dieser Männer hat man sich inzwischen gewöhnt. Sie waren offenbar nicht in der Lage, Santi mit mehr als Routine zu versorgen. „Freak Like Me“ hört sich dem Namen nach vielversprechend an, aber es ist dann doch bloß ein Entwurf für eine R&B-Diva, die einen Track mit bouncendem Dancehall-Beat braucht.
„The Riot’s Gone“? In der Tat. Hier klingt es nicht aufsässig wie bei Annabella von Bow Wow Wow oder Lene Lovich, sondern domestiziert wie bei Kim Carnes. Die vom indischen Subkontinent kommenden Elemente in „Fame“ hat man schon bei M.I.A. genießen dürfen. Und das Kuduro-Klöppeln in „Big Mouth“ erinnert genau an das, was man von Buraka Som Sistema, den Produzenten des Tracks, kennt. Immerhin ist das aber mal ein wildes Ding. Daran mangelt es hier sonst.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

Santigold, Master Of My Make-Believe (Warner)

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