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„Saving Mr. Banks“ im Kino in Berlin

Saving Mr. Banks

Nun gut, nicht jeder mag Dick Van Dyke und tanzende animierte Pinguine. Eine entschiedene Gegnerin dieser Disney-Idee von Unterhaltung ist jedenfalls P. L. Travers, die Autorin von „Mary Poppins“. Pech für Walt Disney, dass er unbedingt dieses Buch verfilmen will. Und Pech für Miss Travers, dass sie zu Beginn der 1960er-Jahre pleite ist. Also müssen sich die beiden doch irgendwie zusammenraufen. Und Disney muss feststellen, dass die vehemente Weigerung der Autorin, Veränderungen an ihren Figuren vornehmen zu lassen, im autobiografischen Kern der Geschichte liegt: Für Travers ist „Mary Poppins“ vor allem eine Hommage an ihren fantasievollen Vater, der in einer ihn einengenden Alltagswelt tragisch gescheitert war.
John Lee Hancock inszeniert das Zusammentreffen der Antagonisten Travers und Disney als einen amüsanten Zusammenprall von britischer und amerikanischer Kultur sowie als hübsches Schauspielduell zwischen Emma Thompson und Tom Hanks, die sich mit Verve in ihre jeweiligen Rollen werfen. Dass der Regisseur die Geschichte dabei mit bewährten Mitteln disneyfiziert, kann man ihm nicht vorwerfen, eher schon die zu illustrativen Rückblenden in die australische Kindheit der Autorin: So genau möchte man das gar nicht wissen. Zumal es Richard Sherman, der gemeinsam mit seinem Bruder Bob Libretto und Musik von „Mary Poppins“ verantwortete, in der Realität einmal sehr genau auf den Punkt brachte: Eine nette alte Dame sei Travers ja gewesen – aber von Kino hätte sie einfach keine Ahnung gehabt.

Text: Lars Penning

Foto: François Duhamel / Disney Enterprises, Inc.

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Saving Mr. Banks“ im Kino in Berlin

Saving Mr. Banks, ?USA 2013; Regie: John Lee Hancock; Darsteller: Emma Thompson (P. L. Travers), Tom Hanks (Walt Disney), Paul Giamatti (Ralph); ?131 Minuten; FSK 0

Kinostart: 6. März

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