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„Saya Zamurai“ von Hitoshi Matsumoto

Saya Zamurai

Wegen Disziplinlosigkeit und Verwahrlosung ist Samurai Nomi zu Seppuku (rituellem Selbstmord) verurteilt worden. Zuvor aber muss er sich der 30-Tage-Aufgabe stellen; bringt er in dieser Zeit den Sohn des Fürsten zum Lachen, wird Nomi begnadigt. Ein Märchenmotiv. Weniger märchenhaft allerdings, was in „Saya Zamurai“ aus dieser Ausgangssituation folgt. Wundern sollte einen die anschließende, wüstenstaubtrockene Aneinanderreihung von Slowburnern, die zielstrebig in einen von bittersüßem, melancholischem Sentiment gemilderten Untergang führt, jedoch nicht. Inszeniert hier doch zum dritten Mal der japanische Star-TV-Komiker Hitoshi Matsumoto, auf dessen Regie-Konto auch die beiden frei flottierenden Seltsamkeiten „Dainipponjin“ (Der große Japaner, 2007) und „Shinboru“ (Symbol, 2009) gehen. Entschleunigte Monsterfilm-Reminiszenz gemischt mit Realsatire der eine, fantastische Slapstick-Komödie mit metaphysischer Stoßrichtung der andere.
Auch in „Saya Zamurai“ beschränkt sich Matsumoto nicht lediglich darauf, die dem westlichen Blick doch etwas fremden Muster japanischen Brachial-Humors zu demonstrieren. Er demontiert sie im Kontext jener Tragödie, die den Samurai mit dem Sohn des Fürsten verbindet: Beide haben sie einen geliebten Menschen und mit diesem ihren Lebensmut verloren. Angesichts ihrer tiefen Verzweiflung stellt sich die Frage nach der heilenden Kraft des Lachens noch einmal neu. Wie weit will man gehen, wie tief sinken in vermeintlich komödiantischer (Selbst-)Erniedrigung, um die Widerstandskraft gegen die Widrigkeiten des Lebens wiederzuerlangen? Matsumoto ist ein weiser Clown, er gibt auf diese Frage keine einfache Antwort.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Rapid Eye Movies

tip-Bewertung: Sehenswert

Saya Zamurai, Japan 2011, Regie: Hitoshi Matsumoto; 100 Minuten + Bonusmaterial: Making Of, Deleted Scenes, Interview, Trailer; erschienen bei Rapid Eye Movies

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