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Schauspieler und Komiker Josef Hader im Gespräch

knochenmannUnüblich ist der Tonfall, den dieser Film besitzt: ein Provinzkrimi, zugleich sarkastisch, absurd und grauenerregend. Regisseur Wolfgang Murnberger legt nach „Komm, süßer Tod“ (2000) und „Silentium!“ (2004) mit „Der Knochenmann“ seine nun mehr dritte Wolf-Haas-Adaption vor – erneut mit Josef Hader als Hauptdarsteller und Koautor. Der Film ist den beiden Vorgängern in Sachen Witz und Spannung weit überlegen und hat neben Hader mit einem mörderischen Josef Bierbichler und einer rustikalen Birgit Minichmayr eine exzellente Besetzung. Auf der Berlinale wird die Uraufführung gefeiert, Kinostart ist gleich nach den Filmfestspielen.

tip Herr Hader, Sie betonen gern, dass Ihr Ermittler, der Brenner, eine ambivalente, aber unleidliche Figur sei. Dabei war er noch nie so sympathisch wie in „Der Knochenmann“.

Josef Hader Er bricht eben auch auf. Weil er sich verliebt. In „Silentium!“ war er viel cooler, mehr der klassische Detektiv. „Der Knochenmann“ zeigt ihn nun sehr verschwitzt und mitten im Leben. Dadurch wird er ziemlich unsouverän.

tip Ganz unblutig ist der Film ja nicht geworden. Hatten Sie bei den Dreharbeiten am Spiel mit dem Ekel eigentlich Spaß?

Hader Mir geht’s als Schauspieler so, dass ich von meinem Widerwillen profitiere. Alles, was einem am Set an Schwierigkeiten entgegentritt, ist ja eine Schwierigkeit der Rolle, das kann man verwenden. Da passiert eine seltsame Umwertung. Wenn’s an der frischen Luft sehr kalt ist, so ist das unangenehm; wenn der Figur aber eh kalt sein soll, dann kann man das benutzen, dann ist es sogar gut, dass es kalt ist. So ist das auch mit einem solchen Raum, in dem das Schlachtvieh hängt: Man dreht dort eine Woche, und niemand hat sich überlegt, dass die Kühlung durch das Drehen unterbrochen wird. Da können die Zuschauer wirklich frohsein, dass es noch kein Geruchskino gibt.

tip Sie sind auch in Deutschland mittlerweile sehr bekannt. Sie touren hier unermüdlich. Kommen auch Anfragen von deutschen Filmproduzenten?

Hader Manchmal, doch. Aber ich bin in Deutschland beschränkt einsetzbar, weil ich ja nur mit meiner Sprache und meinem Dialekt operieren kann. Ich bin ja nicht ausgebildet. Mein Hochdeutsch würde wahrscheinlich nicht einmal dafür reichen, um im „Winzerkönig“ einen Burgenländer zu spielen.

tip Sie haben einmal zugegeben, dass Sie als Autor gerne „wilder“ wären, Ihre Harmoniesucht am Ende aber meist siege.

Hader Als Autor bin ich eh noch halbwegs wild, aber wenn ich auf der Bühne stehe, möchte ich geliebt werden – oder zumindest, dass nicht zu viele aus dem Saal rennen. Da spiel ich dann so, dass sie dableiben.

tip Eine gewisse anarchische Kraft haben Sie sich dennoch bewahrt. Sie spielen gern mit dem Schrecken. Was ist denn Humor für Sie? Die letzte Freiheit?

Hader Da denke ich sofort an den großen Tiroler Kabarettisten Otto Grünmandl, der sich mit 65 ohne jede äußere Komik auf die Bühne gestellt und mit der ganzen Würde seines Alters völligen Wahnsinn geredet hat. Das war großartig. Witze über den Tod, über Krebs, über Existenzielles, das ist auf alle Fälle interessanter als Witze über Installateure, Schwiegermütter oder Bundeskanzler. Man lacht über das, was einen bedroht, und gewinnt für kurze Zeit einen kleinen Trost. Danach verpufft der Witz allerdings, und man sackt zurück in seine Existenz. Aber das immerhin leistet der Witz: Er bietet Gelegenheit zum Luftschnappen.

tip Harald Schmidt hat Sie einen Kabarettisten genannt, über den niemand schlecht rede. Sie haben das damals zwar bestritten, aber ganz falsch ist das nicht, oder?

Hader Mir selbst fallen negative Reaktionen natürlich mehr auf als positive. Gewisse Postings sollte ich nicht lesen, um besser schlafen zu können. Vermutlich habe ich mir automatisch einen Weg in diesem Beruf gesucht, wo ich keine Angriffe aushalten muss. Ich mach meistens was, wo kaum wer was dagegen hat. Da geht kein Aufschrei durch die Bevölkerung. Die einen finden’s gut, den andern geht es am Arsch vorbei.

tip Das haben Sie sich so ausgesucht, weil Sie Kritik kaum aushalten?

Hader Genau. Mag sein, dass ich ein besserer Künstler wäre, wenn ich das aushielte, aber ich kann’smir ja nicht aussuchen.

Interview: Stefan Grissemann

Der Knochenmann
Panorama
9.2., 21.30 Uhr, Zoo Palast 1; 10.2., 12.30 Uhr, CinemaxX 7;11.2., 17.00 Uhr, Cubix 9; 15.2., 21.30 Uhr, Zoo Palast 1

Kinostart: 19.2.

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