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„Schildkrötenwut“ im Kino

Schildkrötenwut

Vor fast fünfzig Jahren kam Musa El-Qalqili nach Berlin, ein heimatloser Mann mit einer großen Sehnsucht nach dem Land, aus dem er vertrieben wurde: Palästina. Er begann hier ein neues Leben, heiratete, bekam eine Tochter. Doch der Gedanke an ein Haus in Palästina ließ ihn nicht los. Und so kam er der Familie immer wieder für längere Zeit abhanden, wenn er sich auf abenteuerliche Weise anschickte, dieses Haus zu bauen oder zumindest für die Befreiung des Landes zu kämpfen, auf dem es stehen sollte. Pary El-Qalqili, die Tochter, erzählt diese Geschichte vom ernüchternden Ende her. Gemeinsam mit ihrem Vater, der in Berlin in einem Keller der Dinge harrt, macht sie sich noch einmal auf den Weg in seine Heimat. Auf dieser Fahrt bekommt man nicht nur ein lebendiges, differenziertes Bild der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Nahen Osten, man wird auch Zeuge einer familiären Intimität, die ein für allemal von der Weltgeschichte durchkreuzt wurde. Die große Mauer, die heute Israel von Palästina trennen soll, wird zu einem übermächtigen Symbol für die kaum überwindlichen Spannungen, von denen „Schildkrötenwut“ auf beeindruckende Weise Zeugnis ablegt.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Mec Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Schildkrötenwut“ im Kino in Berlin

Schildkrötenwut, Deutschland 2012; Regie: Pary El-Qalqili; 70 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 10. Mai

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