Romanverfilmung

„Schneemann“ im Kino

Regisseur Tomas Alfredson verfilmt den gleichnamigen Kriminalroman des populären norwegischen Autors Jo Nesbø

Foto: UPI

Der mittlerweile vornehmlich in Großbritannien arbeitende schwedische Regisseur Tomas Alfredson hat einen Hang zu komplizierten Geschichten, die er auf komplexe Weise in Szene setzt. Bei seinem Spionage-Thriller „Dame, König, As, Spion“ (2011) hat das hervorragend funktioniert: Die John-le-Carré-Verfilmung um die Suche nach einem Doppelagenten verdeutlichte brillant all die hinter einer vermeintlich ruhigen Oberfläche grauer Bürokratie steckenden Leidenschaften, die sich die ins Geschehen involvierten Agenten nur im Verborgenen leisten können, weil jede Emotion sie angreifbar macht

In seinem jüngsten Werk „Schneemann“, der Verfilmung eines gleichnamigen Kriminalromans des populären norwegischen Autors Jo Nesbø, versucht Alfredson, ein ähnliches Prinzip auch auf den Polizeithriller zu übertragen: Inspektor Harry Hole (Michael Fassbender) und seine Assistentin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson) sind auf verschiedene Weise persönlich tief in den Fall eines Serienmörders verwickelt, der im verschneiten Norwegen verheiratete Mütter auf grausame Weise umbringt und als „Markenzeichen“ einen Schneemann hinterlässt.

Doch in diesem Fall führen die sich nach und nach abzeichnenden Verwicklungen zu nicht viel, denn sie bringen weder erkennbare Spannung noch irgendeine Aufklärung mit sich. Überhaupt weigert sich der Film, etwas zu erklären. Dabei sind Hole und Bratt ständig am Ermitteln: Sie fahren hier- und dorthin, sprechen mit diesem und jenen, ohne dass sich für den Zuschauer dabei abzeichnet, dass sie tatsächlich stringent einer Spur folgen. In „Schneemann“ ist alles nur Bruchstück: Verschiedene Zeitebenen greifen ineinander, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar wäre, eine enorme Vielzahl von Figuren tritt auf (und wenn nicht mehr gebraucht, ebenso schnell wieder ab), und manchmal muss man sich einfach selbst zusammenreimen, wer da eigentlich gerade was macht. Manches ergibt im Nachhinein Sinn, anderes eher nicht. Das ist nicht komplett ohne gelegentlichen Reiz, aber sicher nicht das, was man von einem Polizeithriller eigentlich erwartet.

The Snowman GB/S/USA 2017, 119 Min., R: Tomas Alfredson, D: Michael Fassbender, Rebecca Ferguson, Charlotte Gainsbourg, Chloë Sevigny, Val Kilmer, Start: 19.10.

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