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Schnipo Schranke im Bi Nuu

Schnipo Schranke

Zurzeit wird ja diskutiert, welche Musiker Deutschland beim kommenden ESC in Stockholm vertreten sollten. Die Wahl wird wohl leider nicht auf Schnipo Schranke fallen. Dabei hat das Duo, das sich nach der klassischen Imbiss-Kombi Schnitzel, Pommes, Ketchup und Mayo benannt hat, fast alles worauf es ankommt: viel Euphorie und Natürlichkeit, zudem ein Händchen für Ohrwürmer. „Pisse“ heißt ihr Indie-Hit, darin heißt es: „Die Liebe, die macht blind, bitte sag mir, wenn das stimmt, warum schmeckt‘s, wenn ich dich küsse, unten rum nach Pisse?“. Bei Youtube ist das offizielle Video, in dem ein Penis beim Wasserlassen in eine Kaffeetasse zu sehen ist, zensiert. Man denkt an ferne Zeiten, als Die Ärzte regelmäßig auf dem Index landeten – auch Farin Urlaub war immer prima darin, mit großen Kulleraugen Assoziationen aus Seelen- und Beckenregion zu verknüpfen, so in dem Sing-along „Ich weiß nicht, ob es Liebe ist, wenn man beim Pinkeln ständig neben‘s Becken pisst“. Auch bei Reis und Friederike Ernst kommt auf jede betont harmlose Synthie-Melodie ihres Debütalbums „Satt“ mindestens ein versauter Spruch. Auf der Bühne kommt das – ob unpolitisch oder nicht – erfrischend schnodderig rüber, gleichzeitig sehr, sehr jung. Wenn das Duo in abgegriffenen Prinzessinnenkleidern über die Bühne hüpft, denkt man weniger an eine Peaches als an die Clownerie Adam Greens: versaut zwar, aber vor allem niedlich.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Jenny Schäfer

Schnipo Schranke, Bi Nuu, U-Bhf Schlesisches Tor, Kreuzberg, Do 3.12., 21 Uhr, ausverkauft

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