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„Schutzengel“ im Kino

Schutzengel_c_2012WarnerBrosEntertainmentIncDie zahlreichen Schießereien sind rasant geschnitten, mit nachhaltigen Effekten auf der Tonspur und routiniert eingesetzten Zeitlupen. Wer sich da an einen Film des unlängst verstorbenen Tony Scott erinnert fühlt, liegt richtig, im Nachspann liest man „In memory of Tony Scott“. Überhaupt sind Vor- und Nachspann komplett in Englisch gehalten, es könnte durchaus sein, dass der Film auch dort funktioniert, wo Schweigers vorangegangene Regiearbeiten, allesamt Komödien, es nicht taten. Denn die Erzählweise ist ebenso an internationalen Standards orientiert wie die Geschichte: Afghanistan-Veteran Max Fischer (Til Schweiger) arbeitet jetzt als Personenschützer und soll eine fünfzehnjährige Waise bewachen, die mit angesehen hat, wie ein Waffenhändler ihren Freund erschoss. Jetzt steht sie auf der Abschussliste dieses mächtigen Mannes, und nachdem ein Killerkommando zwei Kollegen von Max getötet hat, taucht er mit der Kleinen unter, denn er weiß, dass bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft ein Maulwurf sitzt. Fortan wird er also von Killern und der Staatsmacht gleichermaßen gejagt. Auch die Unterkunft seines Freundes Rudi (Moritz Bleibtreu) auf dem Lande erweist sich nicht als sicher, hier findet der finale Shootout statt, eine gewaltige Ballerei, bei der eine ganze Armee Max zu Leibe rückt.

Jenseits einer bemerkenswerten Szene, in der das dramatische Potenzial einer Begegnung der Flüchtigen mit zwei Polizisten optimal genutzt wird, zerfällt „Schutzengel“ in derartige Shootouts und in Dialogszenen, in denen sich die beiden Protagonisten versichern, dass sie „zwei einsame Waisenkinder in der Nacht“ (Dialog) sind. Für einen einsamen Wolf ist die Figur von Til Schweiger gelegentlich verdammt redselig, Lichtjahre entfernt etwa von Alain Delons „Eiskaltem Engel“ im Film von Jean-Pierre Melville. Wo sich dort etwas über Blicke vermittelte, wird es hier wortreich erzählt. Da ist der Film von Til Schweiger dann doch wieder sehr deutsch. Und wie ernst kann man es nehmen, wenn seine Figur dem Mädchen den Umgang mit einer Waffe verbieten will, wenn der Film doch ansonsten einen geradezu fetischistischen Umgang damit pflegt? Soll das etwa signalisieren: Waffen  gehören nur in die Hände von (männlichen) Profis?

Text: Frank Arnold

Foto: Warner Bros Entertainment

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Schutzengel“ im Kino in Berlin

Schutzengel Deutschland 2012; Regie: Til Schweiger; Darsteller: Til Schweiger (Max Fischer), Luna Schweiger (Nina), Moritz Bleibtreu (Rudi); 133 Minuten; FSK 16; Kinostart: 27. September

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