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„Schwerkraft“ im Kino

SchwerkraftDer smarte Jungbanker Frederik Feinermann muss mitansehen, wie sich ein überschuldeter Kunde vor seinen Augen erschießt. Plötzlich wird ihm die Leere eines Lebens bewusst, in dem Gefühle auf das Format witziger Kaffeetassenaufdrucke verkümmert sind. Auf der Suche nach dem festen Boden einer erlebbaren Realität rückt er zusammen mit seinem alten Kumpel Vince der Wohlstandsgesellschaft mit Einbrüchen zu Leibe und auch seiner großen Liebe Nadine mit schließlich vom Erfolg gekrönter Penetranz.

Maximilian Erlenwein erhielt für seinen Debütfilm „Schwerkraft“ beim diesjährigen Film­fes­tival Max-Ophüls-Preis den Hauptpreis, Nebenpreise gingen an seine großartigen Darsteller Fabian Hinrichs und Nora von Waldstätten. Die Jury lobte „Schwerkraft“ als „delikate Genre-Mischung“ zwischen „Charakterstudie, Drama und subversiver Komödie.“ Der Film überzeugt durch seinen souveränen Erzählrhythmus, der kongenial unterstützt wird vom Psychobilly-Soundtrack des Element-of-Crime-Gitarristen Jakob Ilja, gerät aber durch Jürgen Vogel in seiner Standardrolle des Kleingangsters mit Herz irgendwann in die vorhersehbaren Bahnen des testosterongesteuerten Genrekinos. Seine eigentliche Qualität liegt in den Auslassungen und Zwischentönen, im konsequenten Nichtausformulieren der Vorgeschichte, die nur eine Geschichte der Verbiegung sein kann. Nun schnellt die Feder zurück, ohne Rück­sicht auf Verluste.

Text: Stella Donata Haag

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Schwerkraft im Kino in Berlin
Deutschland 2009; Regie: Maximilian Erlenwein; Darsteller: Fabian Hinrichs (Frederik Feinermann), Jürgen Vogel (Vince Holland), Nora von Waldstätten (Nadine Joris); Farbe, 100 Minuten

Kinostart: 25. März

Lesen Sie hier: Ein Porträt der Schauspielerin Nora von Waldstätten

„Aktuelles Deutsches Kino – Gesichter der Krise, Figuren des Überlebens“

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