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Science Fiction: „John Carter“ und „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“

John_CarterZwei Filme, die ihre Wurzeln in der populären Science-Fiction-Literatur haben, zwei Geschichten um die Erforschung einer fremden, in sich geschlossenen Welt. Doch die Ansätze und Ergebnisse beider Filme, die jeweils in einer Mischung aus Realfilm und Computeranimation entstanden sind, unterscheiden sich deutlich voneinander.
Die Disney-Produktion „John Carter – Zwischen zwei Welten“ beruht auf dem ursprünglich 1912 als Zeitungsserial erschienenen Roman „Die Prinzessin vom Mars“ von Edgar Rice Burroughs, den man in Deutschland vor allem als Tarzan-Erfinder kennt, der aber in den angelsächsischen Ländern auch mit seinen Mars-Romanen große Popularität genießt.
Regisseur Andrew Stanton („Findet Nemo“) hat die Geschichte um den Krieg zweier Städte mit humanoider Bevölkerung auf dem Mars, in den der Erdling John Carter (Taylor Kitsch) ebenso unverhofft wie anfangs auch unfreiwillig verwickelt wird, optisch recht eindrucksvoll in Szene gesetzt: Die Computeranimation, die hier karge Landschaften, seltsame Tiere und riesige Raumschiffe erschafft, ist zweifellos auf dem neuesten Stand der Technik, und auch das Motion-Capture-Verfahren zeigt gute Ergebnisse – nicht zuletzt, weil die marsianischen Thars (eine dritte in die Auseinandersetzungen verwickelte außerirdische Rasse) von ihrem Gesicht her eher Schildkröten ähneln. So kann es erst gar nicht zum sonst oft auftretenden Problem regloser Augenpartien von menschenähnlichen Figuren kommen.

Reise_zur_geheimnisvollen_InselSinnvoller Weise nehmen Stanton und seine Autoren den abenteuerlichen Plot ernst, kommen in die Geschichte allerdings nur holperig hinein: Ehe Carter endlich auf dem Mars landet, hat man sich bereits durch drei Prologe gekämpft, um dann in dem eigentlich gar nicht so komplizierten Hauen und Stechen leicht den Überblick zu verlieren, weil sich die Protagonisten des endlosen Bürgerkriegs zum Verwechseln ähnlich sehen und auch noch gleichklingende Namen haben. Vor allem aber werden die Figuren überhaupt bestenfalls in Ansätzen charakterisiert – am austauschbaren Personal erlahmt das Interesse dann doch recht schnell und kann auch von den eher optisch als schauspielerisch überzeugenden Darstellern nicht nennenswert reanimiert werden.

Immerhin ist das alles noch deutlich interessanter als Brad Peytons hauptsächlich von Jules-Verne-Romanen inspiriertes Werk „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“, das sich als lockere Fortsetzung von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (2008) mit letzterem Film die Figur des jugendlichen Sean Anderson (Josh Hutcherson) teilt. Der Versuch von Muskelpaket Dwayne Johnson, sich hier als dessen verständnisvoller Stiefvater in einem Familienabenteuer zu profilieren, geht voll nach hinten los: Die Dialoge bewegen sich an der Grenze zur unfreiwilligen Komik, und die Actionszenen sind so zahm gestaltet, dass man den Eindruck einer Mischung aus Computerspiel und  botanischem Garten nicht mehr los wird. Slapstick-Komik und (nie funktionierende) Sticheleien zwischen Johnson und Michael Caine sind als Augenzwinkern gedacht, sorgen allerdings bestenfalls für Stirnrunzeln. „Das müssen wir uns ansehen. Es könnte etwas Ernstes sein“, sagt Johnson einmal. Dem kann man nicht zustimmen: Hier ist nichts ernst, es ist hoffnungslos.

Text: Lars Penning
Fotos: Disney Inc., New Line Cinema/Warner Bros.

John Carter im Kino in Berlin

USA 2012; Regie: Andrew
Stanton; Darsteller: Taylor Kitsch (John Carter), Lynn Collins (Dejah Thoris), Samantha Morton (Sola);  110 Minuten; FSK k.A.;
Kinostart: 8. März
tip-Bewertung: Annehmbar

Journey 2: Die Reise zur geheimnisvollen Insel im Kino in Berlin
USA 2012; Regie: Brad Peyton; Darsteller: Dwayne Johnson (Hank Parsons), Sir Michael Caine (Alexander Anderson), Josh
Hutcherson (Sean Anderson);
94 Minuten; FSK 6;
Kinostart: 1. März
tip-Bewertung: Uninteressant

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