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„Seaview“ porträtiert Flüchtlinge in Irland

Seaview„Seaview“ verfolgt ihr Alltagsleben und stellt der oft jahrelangen öden Warterei auf die behördliche Entscheidung den verblassten Charme der Anlagen gegenüber. Im bunt bemalten Ferienlager warten die Flüchtlinge aus Afrika oder dem Balkan in erzwungener Untätigkeit, Jugendliche formieren sich in Gruppen, ganze Milieus leben aneinander vorbei.
Der Dokumentarfilm lebt stark von der Kameraarbeit und könnte es doch von den porträtierten Personen tun. Die Regisseure Nicky Gogan und Paul Rowley haben sich für eine flächige Erzählung entschieden: Wir bekommen eine Übersicht über unterschiedliche Gruppen und würden doch einzelne Protagonisten gerne genauer kennenlernen. Deshalb blei­­ben die marginalisierten Bewohner manchmal ein etwas unscharfes Gebilde. Trotzdem ist „Seaview“ eine sehenswerte Arbeit, nur muss der Zuschauer in den melancholischen Bildern einer verblassten Urlaubseinrichtung die vergilbten Träume von Europa, Sicherheit oder Heimat entdecken, um die Dimensionen der verwaltungskonformen Grausamkeit gegenüber Flüchtlingen zu verstehen.

Text: Lennart Laberenz

tip-Bewertung: Sehenswert

Seaview, Irland 2007; Regie: Nicky Gogan und Paul Rowley; Farbe, 81 Minuten

Kinostart: 29. Januar 2009

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