Kino & Stream

Die bewegende Doku „Seelenvögel“ im Kino

Seelenvögel (Richard)
Filme über Sterben und Tod sind Gratwanderungen. Zwischen der Gefahr von Voyeurismus, Kitsch und Sensationslust gilt es einen Ton zu finden, der den Protagonisten gerecht wird. Filmemachen gleicht hier einer Anverwandlung, bei der es schwer wird, eine Perspektive durchzuhalten. In „Seelenvögel“ begleitet Regisseur Thomas Riedelsheimer („Rivers and Tides“, 2001) drei an Leukämie erkrankte Kinder durch ihre Behandlungstortur. Knochenmarktransplantation und Bestrahlung müssen sie über sich ergehen lassen, grenzenlose Erschöpfung und Schmerzen aushalten. Der Erfolg bleibt ungewiss.
In „Seelenvögel“ wird nicht um Mitleid gebuhlt. Dazu nimmt Thomas Riedelsheimer seine Protagonisten viel zu ernst. Pauline (15), Richard (10) und Lenni (6) sind die Hauptfiguren, sie sind die Stimmen des Films, und jede dieser Stimmen ist auf ihre Art stark und einzigartig. Wenn Pauline in ihrem Tagebuch über Leben und Tod nachdenkt oder Richard mit großer Klarheit von seiner Erkrankung, der Behandlung und den Aussichten erzählt, die Leukämie zu überwinden, glaubt man kaum, dass hier eine 15-Jährige und ein Zehnjähriger von ihrem Leben in der Nähe des Todes erzählen.
Der Film folgt der Perspektive der Kinder und hat seine über­raschendsten Momente, wenn er seinen Protagonisten einfach zuhört, wie sie nach Worten für etwas suchen, das einfach nicht zu fassen ist. Und dann ist die Krankheit doch stärker und alles, was man sich im Laufe des Films zurechtgelegt haben mag, wirkt vollkommen hilflos.
„Seelenvögel“, das Wort fällt einem Kind ein, das mit seinen Freunden im Kinderladen einen weißen Sarg bemalt. Der Sarg ist für Lenni, den Jungen aus ihrer Gruppe, der gestorben ist. Am Ende sieht der bemalte Sarg auf dem Tisch aus wie ein Totenschiff, das Lenni in eine andere Welt bringen wird, da sind die Kinderladenkinder zuversichtlich. „Seelenvögel“ ist ein außergewöhnlicher Film.

Text: Nicolaus Schröder

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Seelenvögel“ im Kino in Berlin 

Seelenvögel, Deutschland 2009; Regie: Thomas Riedelsheimer; Farbe, 94 Minuten;

Kinostart: 5. November

Mehr über Cookies erfahren