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Sehsüchte 2013 in Potsdam

Billboard_Studio_Babelsberg_(Foto-_Sehsüchte)Zwischen Anderson und Clooney, beide drehen derzeit in Potsdam, finden nun auch Nachwuchsfilmemacher ihren Platz im Filmpark Babelsberg. Das einwöchige Filmfestival bietet in diesem Jahr nicht nur jungen Film, es hat auch einen eigenen „Sehsüchte Campus“ auf dem Filmpark errichten lassen. Für Filminteressierte ergibt sich außerdem die Möglichkeit, die Hochschule und den Produktionsstandort besser kennen zu lernen.

Thema und Fokus der diesjährigen Festivalausgabe ist der „Exzess“. Insgesamt werden im Programm 120 Filme aus 22 Ländern gezeigt, von Spiel- und Dokumentarfilmen über Animations- und Kinderfilmen bis zu Musikvideos ist alles dabei. Eine wilde und äußerst unterhaltsame Mischung, die erzählerisch und ästhetisch über Grenzen geht und ungewöhnliche Einblicke in menschliche und gesellschaftliche Ausschweifungen gibt.

Erwähnenswert ist der Dokumentarfilm „Nach Wriezen“, in welchem der Regisseur Daniel Abma drei Jugendliche nach der Haftentlassung aus der Jugendvollzugsanstalt (JVA) Wriezen drei Jahre lang begleitet. Imo (22), Jano (17) und Marcel (25) saßen mehrere Jahre wegen Körperverletzung und Mord in der JVA Wriezen. Der Film zeigt, wie sie danach auf unterschiedliche Weise versuchen, ihre Leben draußen in den Griff zu bekommen. Verschiedene Jobs, der Kampf mit dem Arbeitsamt und nicht zuletzt die Vergangenheit bestimmen das Leben und die Zukunft der Drei.

Ein völliger Gegensatz dazu ist der fünf Sekunden lange Animationsfilm „Ham“, in welchem ein Hund einen Schinken klauen will, allerdings nicht mit dem unerwartetem Besuch einer Katze rechnet. Auch dieser Film zeigt einmal mehr, wie wenige Bilder es braucht, um einen Film entstehen zu lassen. „Ham“ (Mareike Greif) ist zugleich der kürzeste Film des Festivals.

Dass ein Date nicht nur auf Menschen bezogen ist, zeigt der Kurzfilm „Treffit“ („The Date“) von Jenni Toivoniemi. In dieser finnischen Komödie wurde nicht dem 16-Jährigem Timo sondern seinem Kater ein Rendezvous arrangiert. Doch durch die zwei Frauen, welche die entsprechende Katze vorbeibringen, steht plötzlich auch Tinos eigene Männlichkeit auf dem Prüfstand.

Es gibt also viel zu entdecken beim diesjährigen Programm. Wie üblich wird eine prominent besetzte Jury, darunter Filmemacher Andreas Dresen, die Siegerfilme kühren. Abgerundet wird das Programm mit Podiumsdiskussionen, Werkstattgesprächen und zahlreichen Workshops wie den „Schreibsüchten“ (Sonntag, 28. April), bei dem junge Autoren bisher nicht realisierte Drehbuchkonzepte vostellen.

Text Hannah-Lou Multhaup

Foto: Sehsüchte

Sehsüchte 2013 23. bis 28. April Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, Marlene-Dietrich-Allee 11, Potsdam-Babelsberg, Rotor Kino Babelsberg, August- Bebel –Str. 26- 53, Potsdam-Babelsberg

Weitere Infos unter www.sehsuechte.de

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