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„Shadow Dancer“ mit Clive Owen im Kino

Shadow_Dancer_06_c_FuguFilmverleihEr weiß alles über sie: der britische Geheimdienstmann Mac über die junge Nordirin Collette McVeigh, alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes, über ihre Männerbeziehungen und dass ihr Sohn noch Bettnässer ist. Nachdem sie eine Bombe in einer Londoner U-Bahn deponiert hat, wurde sie festgenommen und ist jetzt vor die Alternative gestellt, für lange Zeit ins Gefängnis zu wandern oder aber als Spitzel gegen die eigene Familie tätig zu werden. Denn die McVeighs sind seit Langem als Angehörige der IRA bekannt, die mit Terroranschlägen immer wieder den Friedensprozess in Nordirland zurückwirft. Auch Collette selber gehört dazu, nicht zuletzt aus Schuldgefühlen, denn vor zwanzig Jahren, 1973, schickte sie ihren kleinen Bruder zum Zigarettenholen, was eigentlich ihre Aufgabe gewesen wäre. Der geriet dabei in einen Schusswechsel und starb. Z

u routiniert ist Mac, als dass Collette glauben könnte, er würde ein solches Gespräch zum ersten Mal führen. Aber kann sie ihm vertrauen? Alle, die er bisher angeworben hätte, seien noch am Leben, versichert er ihr. Und dass er sie beschützen würde. „Ich bewache Sie, Tag und Nacht.“ Als Zuschauer mag man ihm glauben (auch, weil er von Clive Owen verkörpert wird), schließlich würde sein Versagen Konsequenzen haben. Aber Mac muss feststellen, dass auch er nur ein Rädchen im Getriebe ist. Zu einer Besprechung wird er nicht eingeladen, eine Akte ist gesperrt für ihn. So langsam begreift er, dass seine Vorgesetzte (Gillian Anderson, einmal mehr eiskalt) mit der Rekrutierung von Collette ablenken wollte von einem Kontakt, den der Geheimdienst schon länger bei den McVeighs hat, Collette ist dementsprechend in Gefahr, geopfert zu werden.

Regisseur James Marsh ist hierzulande vor allem bekannt durch seinen Dokumentarfilm „Man on Wire – Der Drahtseilakt“, seine Spielfilme „Yorkshire Killer 1980“ und „The King“ kamen nur auf DVD heraus. „Shadow Dancer“, der im vergangenen Jahr bei der Berlinale lief, erzählt eine Geschichte um Loyalität, Vertrauen und Verrat mit angenehm dokumentarischer Nüchternheit, die Kamera ruhig beobachtend, auch in den Actionszenen, die nie mit den klassischen Mitteln des Spannungsaufbaus arbeiten. Das macht ihn zu einer Herausforderung für den Zuschauer, der mit einer besonderen Seherfahrung belohnt wird.

Text: Frank Arnold

Foto: Fugu Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Shadow Dancer“ im Kino in Berlin

Shadow Dancer Großbritannien/Irland 2012; Regie: James Marsh; Darsteller: Andrea Riseborough (Collette McVeigh), Clive Owen (Mac), Brid Brennan (Ma); 100 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 5. September

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